Insider-Talk mit Anna van den Troost: „Will zeigen, dass Frauen erfolgreich sind“

Anna van den Troost am 05.12.2020 in Mülheim
Anna van den Troost am 05.12.2020 in Mülheim

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Nur Sibylle Vogt war von den Amazonen in Deutschland 2020 noch erfolgreicher als sie: Anna van den Troost, aus Belgien stammende Reiterin, hatte mit 19 Treffern hierzulande und Platz 17 der Statistik aller hiesigen Rennreiter wieder ein sehr starkes Jahr. Nicht einmal mitgerechnet sind ihre Siege in anderen Ländern, vor allem natürlich in Belgien und den Niederlanden. 28 Treffer sind offiziell insgesamt aufgeführt. Auch die Saison 2021 geht die 24-jährige voller Elan an, wie sie im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet.

Sie waren nach Sibylle Vogt die zweitbeste Rennreiterin 2020 in Deutschland. Was waren die Gründe für diese abermals starke Saison? Was bedeutete Ihnen der Erfolg mit Monroe in Baden-Baden?

Anna van den Troost: Letztes Jahr habe ich viele Chancen bekommen und wurde von vielen Leuten unterstützt. In Baden-Baden ist es natürlich immer sehr schön zu gewinnen. Dazu kommt, das es mit Monroe ein besonderer Sieg war, da ich mit ihr sechs Tage vorher auch schon ein Rennen gewonnen hatte und die Besitzer mich sowieso sehr viel unterstützen. Dann sind solche Erfolge immer besonders schön.

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Das Jahr2021 begann sehr fulminant. Wie sehr haben Sie persönlich sich weiterentwickelt? Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Anna van den Troost: Dadurch, dass ich letztes Jahr und auch dieses Jahr viele Chancen bekommen habe, viel geritten bin und auch viele gute Pferde gesteuert habe, hatte ich auch viele Möglichkeiten mich weiterzuentwickeln.

Tolle Arbeitsatmosphäre

Sie reiten besonders erfolgreich für Yasmin Almenräder und Christian von der Recke. Wo sind Sie beschäftigt? Was schätzen Sie an beiden bei der Zusammenarbeit und menschlich?

Anna van den Troost: Beschäftigt bin ich bei Yasmin Almenräder am Stall in Mülheim. Einmal in der Woche fahre ich nach Weilerswist zu Christian von der Recke und reite dort. Mit beiden macht es äußerst viel Spaß zu arbeiten, da in beiden Ställen eine tolle Arbeitsatmosphäre herrscht und ein Super-Team sich um die Pferde kümmert.

Yasmin Almenräder und Anna van den Troost im Portrait am 05.12.2020 in Mülheim
Yasmin Almenräder und Anna van den Troost im Portrait am 05.12.2020 in Mülheim

Ist Ihr Lebensmittelpunkt inzwischen in Mülheim oder Belgien? Wie sieht eine normale Woche bei Ihnen aus?

Anna van den Troost: Meine meiste Zeit verbringe ich in Mülheim an der Ruhr, wo ich mittlerweile auch wohne. Wenn es die Zeit zulässt, fahre ich auch mal zwischendurch für einen Tag nach Hause. Ich reite jeden Tag in der Morgenarbeit, und wenn nachmittags keine Rennen sind, steht Sport auf dem Programm. Am liebsten gehe ich joggen.

„Es herrscht mehr Respekt“

Wie schwer ist es, sich als Frau in der Männerdomäne Jockeys zu behaupten? 

Anna van den Troost: Es ist schon sehr schwer, doch ich glaube, dass sich in den letzten Jahren schon deutlich verbessert hat. Mittlerweile herrscht ein bisschen Respekt vor Frauen im Rennsattel.

Haben Sie Vorbilder unter den männlichen und weiblichen Reitern?

Anna van den Troost: In Deutschland begeistert mich besonders Adrie de Vries. Er ist ein riesiger Pferdemann und hat eine unglaubliche Fähigkeit auf die Pferde im Rennen individuell einzugehen. Außerdem macht es sehr Spaß, mit ihm zu arbeiten. Wen ich noch sehr bewundere, ist Sybille Vogt. Es ist beeindruckend, wie sie sich bei den Männern behauptet. Seit ich klein bin, ist Christophe Soumillon mein großes Idol.

27.03.2021, Dubai, VAE - Land of Legends with Christophe Soumillon
27.03.2021, Dubai, VAE – Land of Legends with Christophe Soumillon

Traum von Australien

Sie hatten im vergangenen Winter Pläne für einen Auslandstrip, die sich nicht realisieren ließen? Was waren die Gründe? Ist Ähnliches für die Zukunft vorgesehen? Wo würden Sie gerne einmal ein Winter-Engagement wahrnehmen?

Anna van den Troost: Ja, das stimmt, eigentlich wollte ich über den Winter für fünf Monate nach Bahrain. Doch aufgrund der Corona-Situation ließ sich das nicht realisieren. Grundsätzlich würde ich es schon gerne mal machen, aber nicht in naher Zukunft, da ich mich in Deutschland im Moment einfach super wohl fühle. Wenn ich so etwas mal mache, dann würde ich am liebsten nach Australien, weil dort der Rennsport nochmal einen anderen Stellenwert hat.

Sie waren auch schon oft mit Arabischen Vollblütern vorne. Wie kam es dazu? Wo hat Sie Ihr Weg schon überall hingebracht? Was waren besonders bleibende Erlebnisse?

Anna van den Troost: Früher hatte ich sehr viel mit Arabern zu tun. Damals allerdings noch nicht mit Rennarabern. Später habe dann auch angefangen, mit Arabern Rennen zu reiten, da ich ein paar Besitzer in Belgien kannte. Dort ist der Rennsport für die Araber bedeutender als in Deutschland. Mittlerweile war ich schon in Belgien, Holland, Schweiz, Schweden, Deutschland, Abu Dhabi, Bahrain und in England. Mein schönstes Erlebnis war der Gruppe I-Sieg auf Conchita in Newbury im Jahr 2019. Die Besitzer sind ebenfalls Belgier, für die ich vorher schon viel geritten bin.

	Magdeburg, Seven O Seven mit Anna van den Troost und Trainer Christian Freiherr von der Recke nach dem Sieg Caption. 14.05.2021
Magdeburg, Seven O Seven mit Anna van den Troost und Trainer Christian Freiherr von der Recke nach dem Sieg Caption. 14.05.2021

Familienangelegenheit

Ihr Bruder Toon ist Trainer, wie stark ist Ihre Familie im Rennsport involviert?

Anna van den Troost: Mein Bruder hat eigentlich angefangen mit dem Rennsport. Mit 16 hat er begonnen, Rennen zu reiten. Dann gab es quasi eine Kettenreaktion. Mein Vater wurde Besitzer, und ich habe angefangen, Ponyrennen zu reiten. Mittlerweile ist mein Bruder Trainer, mein Vater besitzt immer noch Rennpferde, und ich bin Jockey.

Was möchten Sie in dieser Saison erreichen?

Anna van den Troost: Ich möchte diese Saison natürlich so viele Rennen wie möglich gewinnen und zeigen, dass auch Frauen erfolgreich sein können. Ein weiteres Ziel ist es für mich, das belgische Championat zu gewinnen, das ich letzte Saison um einen Sieg verpasst habe.

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