Insider-Talk mit Gerald Geisler: „Grenznähe ist eine Qualität von Iffezheim“

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Über 300 Erfolge feierte er bisher in seiner Karriere und ist seit vielen Jahren eine feste Größe in der Trainingszentrale in Iffezheim: Der gebürtige Österreicher Gerald Geisler ist gerade auch im grenznahen Frankreich sehr stark mit seinen Pferden aktiv. Exklusiv im Insider-Talk auf dem RaceBets-Blog berichtet er über seine Karriere.

Nähe zu Frankreich war entscheidend

Iffezheim ist seit vielen Jahren Ihre Heimat. Können Sie sich noch an die Anfänge in dem badischen Renndorf erinnern? Was macht den Standort aus?

Gerald Geisler: Meine Anfangszeit in Iffezheim ist mir noch sehr lebhaft in Erinnerung. Petra Manzey und Hans Wirth fragten mich 2009, ob ich nach Iffezheim kommen und hier den „Volz-Stall“  übernehmen möchte. Obwohl schon die Übersiedlung 2005 aus Österreich nach München ein großer Schritt war, befand ich mich danach immerhin noch in Reichweite zu Österreich. Die Übersiedlung nach Iffezheim bedeutete dann den endgültigen Schritt nach Deutschland. Der wesentliche Beweggrund für die Verlegung meines Quartiers nach Iffezheim war sicherlich die Nähe zu Frankreich, denn zeitgleich mit dem Umzug begann ich, auch dort die ersten und später vermehrt Pferde an den Start zu bringen. Die Grenznähe macht auch eine der besonderen Qualitäten des Standortes aus.

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„Gesundheit der Tiere steht an oberster Stelle“

Aktion am Sonntag in Longchamp und Hannover

Wie wichtig ist der Bau der neuen Sandbahn?

Gerald Geisler: Der Bau der neuen Sandbahn ist für unsere Pferde, unsere Besitzer und somit auch für mich von kaum zu überschätzender Bedeutung. Die Gesundheit der Tiere muss immer an oberster Stelle stehen, und das wird auf dieser Bahn auch bei vollem Training möglich sein. Bisher war das leider nicht der Fall. Gesunde Pferde laufen schneller und können dies öfter tun. Wir werden geringere Tierarztkosten haben und alleine dadurch rechtfertigen sich die etwas höheren Trainierbahnkosten.

„Kann nur mit den Rennpreisen aus Frankreich überleben“

Die Starts in Frankreich sind ein wesentlicher Faktor bei Ihnen. Wie wichtig sind die Auslandsstarts für Sie persönlich? Was sind Ihre bevorzugten Bahnen dort?

Gerald Geisler: Nach wie vor bin ich ein großer Fan der deutschen Zucht und des deutschen Rennbetriebes, keine Frage. Die Rennpreise im unteren und mittleren Niveau, sprich Ausgleich 2, 3 und 4, sind jedoch so niedrig, dass man davon als kleiner oder mittelständischer Trainer, bei dem nicht mehrere Gruppe- Pferde im Stall stehen, kaum über die Runden kommt. Ich kann nur mit den Rennpreisen aus Frankreich überleben.

Selbstverständlich sind die Pariser Bahnen toll, allerdings schätze ich auch Vichy und Cagnes sur Mer. Auch die Renntage in Wissembourg sind immer sehr erfreuliche Ereignisse.

Um die Bahn in Maisons Laffitte tut es mir äußerst leid. Es ist ewig schade darum, und für mich vollkommen unverständlich, so eine Bahn nicht zu reaktivieren.

Viel Logistik erforderlich

Welche Logistik steckt hinter den Frankreich-Auftritten? Wie suchen sie die Rennen aus? Wie sind Ihre Sprachkenntnisse?

Gerald Geisler: Hinter jedem Start im Ausland steht inzwischen ein nicht zu unterschätzender bürokratischer Aufwand. RCN, Amtstierarzt, Organisation des Transports, Übernachtung für das Personal, die Auswahl des Jockeys und eventuell noch die Suche nach einem Pferdeführer sind davon nur ein kleiner Ausschnitt. Corona hat die Sache natürlich nicht erleichtert.

Gerald Geisler im Interview am 05.07.2018 Renntag in Hamburg
Gerald Geisler im Interview am 05.07.2018 Renntag in Hamburg

Die Suche nach und Entscheidung für bestimmte Rennen treffe ich im Großen und Ganzen selbst. Manche Besitzer kommen mit Vorschlägen zu mir oder äußern bestimmte Prioritäten für etwas – zum Beispiel Untergrund, Kursführung, etc. Ich spreche Schulfranzösisch und konnte mir mittlerweile etwas Fachsprache aneignen. Wir kommen bestens zurecht.

„Die Qualität stimmt“

Wie sind Ihre Perspektiven für die Saison 2021? Wer sind die größten Hoffnungsträger?

Gerald Geisler: Meine großen Hoffnungsträger für 2021 sind die beiden jüngsten Jahrgänge. Wir sind zwar quantitativ nicht übertrieben stark aufgestellt, ich glaube aber, dass die Qualität stimmt.

Leevke hat ihr Können bereits gezeigt, ich verfüge jedoch noch über den einen oder anderen Dreijährigen, der sehr gut werden könnte und der  Freude bei der Beobachtung seiner Entwicklung macht.

„Das Portemonnaie der Besitzer nicht vergessen“

Was sind Ihre Erfolgsgeheimnisse? Wie lief die Corona-Zeit bisher für Sie?

Gerald Geisler: Wenn ich ein Merkmal herausheben müsste, dann ist es die Kontinuität, die sich in der langjähriger Zusammenarbeit mit Besitzern, Personal und Lieferanten widerspiegelt. Gute Kommunikation zu den Besitzern, Entscheidungen möglichst immer im Sinne des Pferdes zu treffen und dabei auch das Portemonnaie der Besitzer nicht zu vergessen ist mir wichtig.

Gerald Geisler am 15.05.2020 beim in München
Gerald Geisler am 15.05.2020 beim in München

Die Corona-Zeit schmerzt, aber wir sind bisher ganz gut darüber hinweg gekommen. Homeoffice wäre in unserem Beruf halt schwierig.

Der Traum vom Klassiker

Sie hatten schon einmal einen Starter im Deutschen Derby. Von welchem Sieg träumen Sie insgeheim?

Gerald Geisler: Mit Rosenhill war ich 2016  schon einmal im Derby vertreten – eine wahnsinnig tolle Erfahrung, ein tolles Erlebnis. Einen Klassiker in einer der wichtigen Rennsportnationen zu gewinnen wäre ein Traum. Auch wenn das Österreichische Derby mittlerweile leider nur noch einen geringen Stellenwert besitzt, bleibt es für mich als Österreicher dennoch ein Wunsch, es wenigstens einmal zu gewinnen.

„Unsere Familie ist pferdeverrückt“

Ihre Frau ist erfolgreiche Rennreiterin. Welche Rolle nimmt Sie am Stall ein? Wer sind weitere Stützen Ihres Teams?

Gerald Geisler: Eva übernimmt eine zunehmend wichtigere Rolle am Stall. Sie wächst dabei mit ihren Aufgaben. Es ist echt eine Freude, ihre und unsere gemeinsame Entwicklung zu erleben. Unsere Familie ist generell pferdeverrückt. Meine Mutter unterstützt uns in jeder Hinsicht enorm. Auch meine ältere Tochter Lilly beteiligt sich in wachsendem Ausmaße und entwickelt sich immer mehr zu einer Hilfe. 

Eva-Maria Geisler und Gerald Geisler mit Tochter im Portrait am 24.09.2016 in Köln
Eva-Maria Geisler und Gerald Geisler mit Tochter im Portrait am 24.09.2016 in Köln

Wie bereits erwähnt, haben wir viel Stammpersonal, die schon  seit vielen Jahren bei uns dabei sind. Speziell bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei unserem Patrik.

Viele Gesprächsthemen

Über welche Themen außerhalb des Rennsports wird bei Ihnen zu Hause gesprochen?

Gerald Geisler: Diesbezüglich sind wir glücklicherweise recht vielseitig. Auch wenn der Rennsport uns natürlich täglich und recht intensiv beschäftigt, dabei nicht nur Beruf sondern auch Berufung und Hobby ist, haben wir zu meiner großen Freude nebenbei auch viele Gesprächsthemen außerhalb des Rennsports. Ob es nun unsere beiden Mädels und deren Erziehung ist oder politische, wirtschaftliche und sportliche Themen sind, oder was uns und unsere Kinder bewegt hat.

Fußball nur noch als Zuschauer

Was sind Ihre Hobbys?

Gerald Geisler: Selbst spiele ich nach meinem Achillessehnenriss 2019 leider keinen Fußball mehr, ich schaue jedoch leidenschaftlich gerne anderen dabei zu.

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Michael Hähn
Unser Autor Michael Hähn arbeitet als freier Journalist in Baden-Baden. Der Galopprennsport ist seit vielen Jahren sein Metier, und seine Leidenschaft sind Rennveranstaltungen in Deutschland und auf der ganzen Welt.