Insider-Talk mit Marc Sonnenburg: „Von Spannung und Glücksgefühlen“

Marc Sonnenburg
RaceBets Million

Die Familie Daßbach-Weil und das Gestüt Etzean – das ist eine der besonders erfolgreichen Verbindungen in der deutschen Zuchtlandschaft. Gründer war Heinz Weil, der das Gestüt als einen wahr gewordenen Traum bezeichnete. Heinz Weil  war der Gründer und Gedankengeber der erfolgreichen Zucht. Während seiner Schulzeit besuchte er das Gestüt Waldfried und freundete sich dort mit dem Gestütsleiter an. Zahlreiche Besuche begeisterten und prägten ihn. Zuvor hatte er in Frankfurt-Niederrad bereits die Luft der Rennbahn geschnuppert und war, wie man so sagt, vom unheilbaren Turfvirus infiziert und vom Geschehen auf und neben dem Geläuf fasziniert.

Da seine Vorfahren eine Landwirtschaft und Pferde besaßen, war ihm die Tierliebe praktisch in die Wiege gelegt. Beruflich verdiente Heinz Weil sein Brot nach Ende des Krieges und der anschließenden Gefangenschaft in der Gebäudereinigungsfirma seines Großvaters, die er später übernahm. Finanziell war es ihm früh möglich, ein Rennpferd namens Teufel zu erwerben. Dieser war ein nützlicher und treuer Galopper. Dank ihm erwuchs in Weil der Wunsch nach einem eigenen Gestüt. 

Sonnenburg mit seiner Mutter
Sonnenburg mit seiner Mutter Christiane Weil-Daßbach-Ruehl

In der Historie des Gestüts Etzean spielt der 1. April 1969 eine besondere Rolle. An diesem Tag pachtete Heinz Weil von Graf Eugen zu Erbach Fürstenau das im Odenwald gelegene Hofgut Etzean mit seiner 43 Hektar umfassenden landwirtschaftlichen Nutzfläche. In der Folgezeit musste das damals für die Rinderzucht genutzte Anwesen den Anforderungen einer Pferdezucht angepasst werden, wobei diese Anpassung nicht nur aus dem Bau von Pferdeboxen bestand. 1970 erwarb Heinz Weil seine ersten Mutterstuten Arica, Balata und Mariage. Als erstes Fohlen erblickte der von Botticelli aus der Balata stammende Belmondo das Licht der Welt. Bereits als Zweijähriger kehrte der Hengst viermal als Sieger vom Geläuf zurück und gewann ein Jahr später sogar Grupperennen.

1975 fand mit Experte der erste namhafte Deckhengst seine Heimat im Gestüt. Dieses wuchs schnell, was nicht nur den Bau neuer Boxen sondern auch die Pacht von weiterem Land erforderte. 1980 wurde mit Nandino ein späterer Championzweijähriger und klassischer Sieger geboren, dessen höchstes GAG 101 Kilo betragen sollte. Er ist nicht das einzige Klassepferd, das das Licht der Welt im Odenwald erblickte.

Lange Erfolgsliste

Nennen muss man natürlich Turfkönig, der nicht nur zum Championzweijährigen wurde, sondern auch zwei Gruppe-I-Rennen und fünf weitere Grupperennen gewann. Weitere Spitzenpferde sind der klassische Sieger Pinot (1990), Lecroix (1992) sowie die Gruppe-I-Sieger Faberger und Noble Pearl (1996). Außergewöhnlich fiel der Jahrgang 1998 mit den hochklassigen El Royal, Kalou, La Perla, Nanouska, Night Woman, Peu a Peu, Sacho, Touch Down, Tareno, Tomster, Denaro und Mistic Sun aus. Ein wichtiges Jahr für das Gestüt war 1992, als neben Heraldiste auch Dashing Blade eine Box als Beschäler bezog. Ende 2003 erwarb Heinz Weil mit Sholokhov einen weiteren hoffnungsvollen Deckhengst. Und natürlich war der Diana-Sieg von Feodora 2014 ein besonderes Highlight. Heute steht hier Areion einer der besten Deckhengste Deutschlands.

Die Philosophie: „Wir arbeiten nach der anthroposophischen Lehre von der biologisch-dynamischen Anbauweise nach Rudolf Steiner. Sie lautet: Achte und wahre den Naturkreislauf“ – das waren die Worte von Gestütsbesitzer Heinz Weil. Ein grundlegendes Prinzip im Gestüt Etzean ist, die Aufzucht der Pferde so naturnah und gesund wie nur möglich zu gestalten. Wichtige Punkte sind: erstklassige Pflege der Weiden, bestes Futter und eine über Jahre systematisch ergänzte und verbesserte Stutenherde. Die Aufzucht der Pferde ist rau aber herzlich. Jungtiere werden in Gruppen den ganzen Winter hindurch im Freien gehalten. Dies schult das Sozialverhalten und fördert die Gesundheit. Durch permanente Bewegung werden Muskeln, Knochen und Sehnen belastet und trainiert. Die frische Luft des Odenwalds sorgt zudem für gesunde Atemwege. Gefüttert wird nur mit besten Futtermitteln.

Diese stammen grundsätzlich aus natürlichen Vorkommen und sind weder von einem Labor noch von Herstellern oder Lieferanten verändert worden. Die Zusammensetzung des Kraftfutters richtet sich nach der Jahreszeit, sowie Alter und Phase der jeweiligen Pferde-Gruppe. Das Heu, teilweise selbst produziert, genügt den allerhöchsten Ansprüchen. Die Pflege der Koppeln erfolgt durch Wechselweide mit ca. 70 Rindern während der Vegetationszeit, wöchentliche Entfernung des Kotes und Nachsaat mit bewährten Gräsermischungen. Wichtiges Ziel ist es, den Koppeln kurze Fress- und lange Ruhezeiten zu gewähren. Die Düngung des Bodens erfolgt nach Bodenproben mit Nährstoffen natürlicher Herkunft.

Inzwischen ist Marc Sonnenburg (geb. Daßbach) gemeinsam mit seiner Mutter Eigentümer des Gestüts Etzean und firmiert außerdem als Racing Manager.

Im RaceBets-Inside-Talk berichtet er exklusiv über seine Hoffnungen und Ambitionen.

Marc Sonnenburg
Marc Sonnenburg

Wie entstand Ihr persönliches Interesse am Rennsport und der Zucht?

Marc Sonnenburg: ich war nur wenige Tage alt, bei meinem ersten Besuch auf der Rennbahn in Baden-Baden. Ich habe so quasi den Rennsport in die Wiege gelegt bekommen. Ich bin mit dem Gestüt aufgewachsen und habe sehr viel von meinem Großvater gelernt, den ich stets begleitet habe. 

Was macht für Sie die Faszination dieses Sports aus? Was waren die bislang schönsten Momente im Gestüt oder auf der Rennbahn?

Sonnenburg: Den Weg der Pferde zu verfolgen. Von der Planung der Anpaarung, über die Fohlen und Jährling bis hin zu einem Rennpferd. Die Spannung in den Rennen und die Glücksgefühle, wenn man gewinnt. Definitiv der schönste Moment war der Sieg von Feodora im Henkel – Preis der Diana in den eigenen Rennfarben. Nach ihrem zweiten Platz im Preis der Winterkönigin sagte mein Vater zu mir, dass wir mit ihr nächstes Jahr die Diana gewinnen werden. Leider starb mein Vater überraschend im Februar und konnte so nicht sehen, dass er recht behalten sollte. Somit war der Sieg sehr emotional für die ganze Familie.

Sonnenburg Hochzeit mit Sarah Sonnenburg
Sonnenburg Hochzeit mit Sarah Sonnenburg

Der Etzeaner Deckhengst Areion legte erneut eine grandiose Saison hin. Was zeichnet ihn und seine Nachkommen besonders aus?

Sonnenburg: Areion macht frühreife und sehr harte Pferde, die oft auch vier- und fünfjährig ihre Leistungen bringen.

Auch der Start von Amaron in diesem Metier war mehr als gelungen. Was erhoffen Sie sich von ihm in der Zukunft?

Sonnenburg: Der Start von Amaron war gut. Er hat aktuell sieben Sieger einen Listensieger in Italien und eine Gruppeplatzierung in Frankreich. Wir hoffen natürlich auf noch zahlreiche Black Type- Nachkommen. Er war stets gut gebucht, so dass in den nächsten Jahrgängen noch viele Hoffnungen an den Start kommen. 

Wie fällt Ihre Saisonbilanz 2019 aus?

Sonnenburg: Als aktuell Achter in der Züchterstatistik ist das Jahr okay. Wir hatten aber auch schon bessere Jahre. 

Wer sind die Hoffnungsträger im Gestüt und Rennstall für 2020?

Sonnenburg: Palimero hat als Zweijähriger schon gute Ansätze gezeigt und wird sich dreijährig bestimmt nochmal verbessern. Aus dem Gestüt kommen fünf gut gezogene Stuten in den Rennstall. 

Auf welche Produkte freuen Sie sich am meisten?

Sonnenburg: Ich freue mich auf alle Fohlen. Wenn ich eines heraus heben muss, dann das Sea The Stars-Fohlen aus der Monami. 

Sie sind auch im Vorstand der Jungen Besitzervereinigung. Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben dort in nächster Zeit?

Sonnenburg
Sonnenburg

Sonnenburg: Wir werden 2020  wieder eine Reise mit allen Mitgliedern zu einem Renntag in England machen. Auch wird es wieder das Azubiseminar geben, wo junge Auszubildende die Möglichkeit haben, andere Bereiche des Rennsports kennenzulernen. 

Welche Rennbahnen im Ausland möchten Sie demnächst besuchen? Welche Hippodrome/Events haben Sie bisher am meisten beeindruckt?

Sonnenburg: Da gibt es einige, die ich besuchen möchte. Hong Kong, den Breeders‘ Cup und den Melbourne Cup. Longchamp am Arc-Tag hat mich schon sehr beeindruckt. Eine tolle Atmosphäre. 

Was sind Ihre Hobbies abseits des Turfs?

Sonnenburg: Ich spiele gerne Golf und reite auch sehr gerne meine Warmblüter.

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