Marco Klein: „Unser Highlight war der Sieg von Earl“

Marco Klein: „Unser Highlight war der Sieg von Earl“
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Die Große Woche in Baden-Baden-Iffezheim war wieder ein Highlight im deutschen Rennkalender 2020. Leider waren nur 500 Besucher vor Ort zu dem fünf Renntage umfassenden Spektakel zugelassen. Sechs Grupperennen, jede Menge tolle Wettchancen und erstklassige Pferde gab es zu bewundern.

Auch der Mannheimer Erfolgstrainer Marco Klein war bei dem größten Meeting auf der Rennbahn Iffezheim präsent. Und am Finaltag landete er mit dem Außenseiter Earl sogar einen Volltreffer.

Exklusiv auf dem RaceBets-Blog zieht unser RaceBets-Botschafter Bilanz: Was waren seine Eindrücke über das Event in Baden-Baden? Was hat ihm am besten gefallen? Was würde er schnellstmöglich verbessern? Was war für ihn die größte Überraschung, was die größte Enttäuschung? Wie haben seine Pferde abgeschnitten? Wie zufrieden ist er? Was hat er für die Zukunft gelernt? Fragen über Fragen. Im Folgenden gibt Marco Klein seine Antworten.

Zunächst einmal war es sehr positiv, dass die Große Woche überhaupt stattgefunden hat. Das war nicht selbstverständlich, wenn man an den enormen Kostenapparat in Baden-Baden realistisch betrachtet.

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Marco Klein
Marco Klein im Interview am 11.09.2020 in Baden-Baden

Dank an die Sponsoren

Toll für Baden Racing war auch, dass treue Sponsoren bei den großen Rennen weitgehend dabeigeblieben sind, trotz der Corona-Krise. Denn das ist in diesen Zeiten sehr schwierig. Sehr positiv aufgefallen ist mir außerdem. dass die Dotierungen in den Gruppe- und Listenrennen weitgehend alte Standards hatten, auch in den Basisrennen. Es ist ja schon ein deutlicher Unterschied, ob man 4.500 Euro oder 2.000 Euro in einem Rennen als Siegpreis bekommt. Das war sehr gut.

Lobend erwähnen möchte ich auch die Bemühungen des Veranstalters, und hier ist in erster Linie Frau Raatz zu nennen, die Starterfelder voll zu bekommen. Man kam den Trainern mit den Ausschreibungen entgegen. Da war viel Bewegung drin.

Die Leinwand hat gefehlt

Sehr schade fand ich, dass es keine Leinwand am Geläuf gab. Natürlich ist das ein Kostenfaktor bei fünf Renntagen, den man nicht unterschätzen darf, aber so hat man nur am Monitor geschaut oder ist hin und her gelaufen. Gut war, dass man am zweiten Wochenende mit einem zweiten Verpflegungsstand nachgebessert hat, es gab Wein und Sekt an der Waage. Das hatte am ersten Wochenende gefehlt und war ebenfalls nun ein Plus. Gerade uns Trainern hat aber für die Mittagszeit ein separater Kaffeestand gefehlt.

Galopprennen in Baden-Baden
Galopprennen in Baden-Baden

Wenig Vielfalt beim Essen

Zu essen bestand nur die Möglichkeit eines Standes mit Bratwurst und Pommes als Angebot mit einer entsprechend langen Schlange, oder man hatte die Option den Champions‘ Club. Ich war auf Einladung von Besitzern auch dort. Doch leider hatte ich wegen meiner Starter nur ein kurzes Zeitfenster, um mich dort aufzuhalten. Da konnte ich am Freitag am Buffet den Hauptgang nicht wahrnehmen, weil meine Pferde liefen. Wenn das Buffet den ganzen Nachmittag und nicht nur speziellen Zeiten zugänglich gewesen wäre, wäre das besser gewesen, aber dafür war nicht Baden Racing, sondern der Caterer verantwortlich.  Gut war auch, dass man die Personenanzahl der erlaubten Leute auf der Bahn ausgenutzt hat.

Beim Sales & Racing Festival im Oktober wird es leider nur einen und keine zwei Renntage geben, aber man plant wohl zwölf Rennen. Das ist schon relativ viel für einen Tag, zwei Renntage wären wohl ein zu großer Aufwand gewesen. Ich verstehe das, auch wenn ich es natürlich bedauerlich finde, zumal Baden-Baden für uns vor der Haustür liegt und wir, auch wegen der geringen Entfernung, gerne hierhin fahren.

Riesenfreude über Earl & Jubiläum für Besitzerin

Bei einigen meiner Pferde war ich nicht ganz glücklich, dass der ein oder andere Besitzer hier starten wollte, da die Rennen nicht optimal waren. Das hat man an den Ergebnissen der ersten Tage gesehen. Unser Highlight war natürlich der Sieg von Earl am Schlusstag der Großen Woche. Wir sind im vermeintlich schwersten der drei vorgesehenen Rennen für ihn angetreten. Die Taktik hatten wir geändert und ihn von hinten reiten lassen. Jozef Bojko hat das sehr gut vorgetragen. Leider konnte die Besitzerin, Frau Gaul, nicht kommen, aber ihr Mann war vor Ort. Über ihren 25. Sieg als Besitzerin habe ich mich sehr gefreut. Der zweite Lebenssieg von Earl war auch sein zweiter Erfolg in Iffezheim.

Earl siegt unter Jozef Bojko
Earl siegt unter Jozef Bojko am 13.09.2020 in Baden-Baden

Bei ihm werden wir die Taktik in Zukunft von der Bahn abhängig machen. In jedem Fall soll er nicht mehr so offensiv geritten werden wie früher. Auf einer großen Bahn ist es schwieriger von der Spitze aus zu gewinnen als in Mannheim, das hat man in dieser Woche in Baden-Baden oft gesehen.

Auch Lucky Lips hat sich gut gehalten. Er hatte eine Woche zuvor in Nancy nichts gezeigt. Tommy hat ihn in Iffezheim gut vorgetragen. Der fünfte Platz in einem großen Feld war auf nicht idealem Boden stark.

Etwas unter Wert geschlagen war Damavand. Tommy hat das Tempo herausgenommen, doch ein Azubi hat ihn immer gedrückt und ihm das Rennen komplett kaputt gemacht. Das war so nicht geplant. Denn Tommy ist ja Profi genug, nicht sieben Längen vor dem Feld zu gehen.

Sehr gut war das Abschneiden von Thunder Light. Sie wurde nach einer zweimonatigen Pause gleich Vierte. Bergadler ist etwas unter den Erwartungen geblieben. Wir werden es demnächst wieder in Mannheim versuchen und hoffen, dass er dort besser durchzieht.

Am Boden gescheitert

Bei Indian Soldiers Start war der Boden mit gut bis weich angegeben, aber das Geläuf war doch schon abgetrocknet. Und am zweiten Wochenende sah man, dass der Boden ungleich war mit vielen Löchern. Man hätte die Bahn vielleicht walzen sollen, aber bei so vielen Pferden an den Renntagen ist das schwer. Er kam mit dem Boden jedenfalls überhaupt nicht zurecht.

Flight To Hongkong hat wieder gekämpft und sich nett verkauft. Er hatte einige Zeit Probleme mit der Schulter. Wir mussten ihn vom Physiotherapeuten behandeln lassen. Er war im Rennen erst bei 80 Prozent. Er hat nochmals angezogen und sollte beim nächsten Mal vorne dabei sein. Auch Bauyrzhan Murzabayev meinte, er würde einen Ausgleich II gewinnen.

Renntag in Baden-Baden
Renntag in Baden-Baden

Keine Hetze, Kritik anders äußern

Alles in allem ist mir aufgefallen, dass in den Sozialen Netzwerken sehr schnell auf Veranstalter und Aktive geschimpft wird. Ich halte es anders und äußere meine Kritik an den entsprechenden Stellen bei den Veranstaltern, was ich auch diesmal getan habe. Das Zerpflücken im Internet finde ich sehr schade und hilft unserem Sport nicht. Besser wäre, eine Email an die Verantwortlichen zu schicken.

Ich weiß, dass es aktuell sehr schwere Zeiten sind und wir gerade bei den Preisgeldern einige Abstriche in Kauf nehmen müssen, aber Hetze ist nicht schön. Baden Racing hat sich bemüht, zu machen, was möglich war und die Mittel hergaben. Das gilt auch für andere Rennvereine. Alle sind dabei, das Beste aus der Situation zu machen.“

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