Ohne Huf kein Pferd: Schmied, Fütterung und Pflege

Ohne Huf kein Pferd
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Wie sieht ein korrekter Huf aus? Wie kann man die Hufgesundheit über den Futtertrog beeinflussen? Wie oft muss geschmiert und/oder geölt werden? Und wie oft sollte der Hufschmied kommen? Nachdem Dukes schlechte Hufe im Winter in der Herde (bei 12 Grad im Matsch) zur reinsten Beschäftigungstherapie mutieren, habe ich mir Rat von Experten geholt.

Die Basis: Wie sieht eigentlich ein korrekter Huf aus?

„Bei der Bearbeitung der Hufe sollte nur das nötigste abgetragen werden“, empfiehlt Paul Hellmeier, staatlich geprüfter Hufschmied aus München mit knapp 40 Jahren Berufserfahrung in unterschiedlichsten Reitsport-Disziplinen. Optimalerweise sollte der Huf eine gerade Linie mit den Fesselstamm bilden.

Dr. Matthias Baumann erklärt White Line Disease

Bei den Vorderhufen liegt der Idealwinkel zwischen Hufwand und Boden bei 45 bis 50 Grad, bei den Hinterhufen zwischen 50 und 55 Grad. Von vorne betrachtet sollten Huf und Sprung- oder Karpalgelenk und eine gerade Linie bilden. Von hinten betrachtet sollte die Hufsohle parallel zum Mittelpunkt vom Fesselgelenk sowie von Sprung- oder Karpalgelenk stehen: das sogenannte Medial-laterale Gleichgewicht.

Wie füttere ich gute Hufe an mein Pferd?

Wenn ein Pferd keine optimalen Hufe hat, rät Equistro Futterexpertin Dr. Caroline Fritz, zwischen haltungsbedingten und fütterungsbedingten Problemen zu unterscheiden. Wenn die Haltung zweifelsfrei ideal ist oder Hufprobleme plötzlich trotz unveränderter Haltung auftreten, liegt die Ursache oftmals bei einem Nährstoffmangel.

“In solchen Fällen sollte man erst einmal ein Blutbild machen lassen, ehe man auf Verdacht irgendwelche Mittel füttert.” Als häufige Ursache erlebt die Tierärztin eine Unterversorgung mit Zink und Biotin. “Besonders Zinkmangel kommt bei Pferden recht oft vor und geht oftmals mit stumpfem und teils ausgehendem Fell einher. Zink ist das Hautstoffwechselelement, das für die Zellerneuerung unerlässlich ist.”

Biotin ist natürlich auch wichtig: Nicht nur für die Hufe, sondern für eine Vielzahl an Stoffwechselprozessen im Körper. “Das Vitamin ist Bestandteil von über 200 Enzymen im Körper und ist an Kohlenhydratstoffwechsel, Eiweißstoffwechsel, Fettstoffwechsel und zahlreichen anderen Prozessen beteiligt. Biotin ist so vielgestaltig, dass sich ein Mangel nicht nur auf die Hufqualität auswirken würde”, so Dr. Fritz.

Das flüssige Konzentrat eignet sich als Kur bei akuten Problemen, das Pulver zur Langzeitanwendung
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Zudem ist Methionin für die Bildung von stabilem Hufhorn wichtig, welches teilweise nur sehr begrenzt in den üblichen Getreidesorten vorkommt. Methionin ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die fürs Pferd lebensnotwendig ist: Denn nur wenn Methionin im Körper anwesend, können die Pferde die Aminosäure Cystin und daraus wiederum Keratin bilden. Und aus Keratin wird letztendlich Hufhorn gebildet.

“Wenn ein Pferd brüchiges Hufhorn hat, ist die Haltung entweder so schlecht und das Pferd steht so viel in ätzenden Flüssigkeiten, oder der Huf durch schlammigen, staubtrockenen Boden keine Möglichkeit hat, seine natürliche Schutzbarriere aufrechtzuerhalten, weil das Hufhorn kaputt geht. Oder das Horn ist auf Grund eines Methionenmangels nicht fest genug. “

Wie oft sollte ein Huf geschmiert werden?

Der Huf besteht aus Knochen, Bindegewebe, Knorpel und Horn und wird stark durchblutet – besonders, wenn das Pferd in Bewegung ist. Um elastisch auf unterschiedliche Boden-
Beschaffenheiten reagieren zu können, benötigt der Huf Feuchtigkeit. „Bei gesunden Pferden, die regelmäßig auf die Koppel kommen, muss der Besitzer dabei wenig unterstützen“, rät Franz Sikora, Lehrschmied an der Staatlichen Hufbeschlagsschule am Haupt- und Landgestüt Schwaiganger.

„In langen Trockenperioden im Sommer oder Winter lohnt der Griff zu Huffett oder -öl; ansonsten gleicht sich der Feuchtigkeitshaushalt natürlich aus.“ Koppelgänger oder auch Offenstallpferde profitieren gerade im Frühjahr und Herbst auch vom Tau im Gras, der den Huf feucht hält, während in den Wintermonaten gegebenenfalls sogar Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen, damit die Hufe nicht zu viel Feuchtigkeit aufsaugen und aufweichen.

12 Grad im Winter tut der Hufhygiene nicht gut
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Ein gesunder Bearbeitungszyklus

Bei der Hufbearbeitung darf ein Schmied aber nicht vom Idealbild ausgehen, sondern vom Ist-Zustand, rät Hufschmied Paul Hellmeier. „Die Hufform darf nicht erzwungen werden. Manchmal gilt es einfach, aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen.“ Angeborene Fehlstellungen der Gliedmaßen kann ein Hufschmied in den Anfangsjahren noch relativ problemlos beheben.

„Spätestens, wenn die Wachstumsfugen geschlossen sind, wird eine Korrektur der Stellung schwierig“, so Hellmeier. Denn Bänder und Sehnen passen sich mit der Zeit an die Fehlstellung an, um die (Fehl-)Belastung zu kompensieren. „Bei älteren Pferden kann der Schmied solche Fehler nicht mehr beheben. Da bleiben nur Hilfestellungen, zum Beispiel in Form eines Orthopädischen Beschlags.“

Kann ein Huf nicht richtig arbeiten, sei es durch zu seltene oder falsche Bearbeitung, nimmt die Hufbalance und langfristig auch die Gesundheit des Pferdes Schaden. „Für eine gesunde Hufbearbeitung ist der Rhythmus entscheidend“, so Doktor Anja Kasparek, Mit-Inhaberin der Pferdeklinik Aschheim. „Manche Besitzer versuchen zu sparen, indem sie die Bearbeitungszyklen ihrer Pferde möglich lange strecken.“ Doch stellen sie Hufschmiede, die nach einem Zyklus von acht Wochen und mehr die Pferdehufe wieder auf ein Normalbild bringen sollen, vor ein Dilemma.

Paddock ist im Winter Schwerstarbeit für die Hufe
Paddock ist im Winter Schwerstarbeit für die Hufe

„In solchen Fällen muss der Schmied massiv in die Mechanik eingreifen, um den Huf wieder auf die richtige Achse zu bringen und die Hufbalance herzustellen.“ Eine derartige Prozedur stellt kein unwesentliches Risiko für die Gesundheit des Pferdes dar – besonders, wenn sich der Besitzer anschließend in den Sattel schwingt und zum normalen Trainingsalltag zurückkehrt. Besonders Pferden mit orthopädischen Problemen verordnet Kasparek daher Bearbeitungszyklen von maximal sechs Wochen: ein Leben lang. Ansonsten drohen kurz- und langfristige Gesundheitsprobleme.

Bei zu langen Zehen und flachen Trachten der Vorderhufe lastet beispielsweise vermehrt Gewicht auf der tiefen Beugesehne des Pferdes und den entsprechenden Bändern. Je nach Ausprägung hat eine derartige Fehlstellung Auswirkungen auf Körperhaltung und Gangbild. Das hintere Drittel des Hufes wird nicht mehr ausreichend durchblutet und eine Lahmheit kann folgen. Versucht das Pferde durch Fehlhaltung, eine zu flache Stellung der hinteren Fesseln zu kompensieren, können zusätzlich Probleme in den oberen Gliedmaßen sowie in der Wirbelsäule auftreten.

Wird hingegen das medial-laterale Gleichgewicht des Hufes durch falsche mechanische Einwirkungen oder auch Fehlwuchs gestört, entsteht ungleichmäßiger Druck auf die Fesselgelenke. Besonders bei Sportpferden unter erhöhter Belastung können dadurch bleibende Schäden verursacht werden.

Nebst dem Hufschmied darf natürlich die Rolle des Besitzers beim Thema „Hufbearbeitung“ nicht unterschätzt werden. Jenseits zu langer Bearbeitungszyklen gibt es weitere wirtschaftliche Gründe für Besitzer, ihr Pferd unpassend beschlagen zu lassen: zum Beispiel nur vorne. „Dabei liegt der Motor des Pferdes in der Hinterhand“, so Hellmeier. „Besitzer lassen ihre Pferde nur vorne beschlagen und wundern sich anschließend, wenn die Pferde hinten keine Last aufnehmen wollen.“

Dukes Hufe: Eine ewige Baustelle

Eine dünne Hufsohle und empfindliche Wände war ich von meinem ersten Vollblüter Lord bereits gewöhnt. Doch hatte er recht hartes Horn, welches mit marginalem Wachstum nur alle 10 bis 12 Wochen den Hufschmied sah. Bei dem inzwischen fünfjährigen Duke wachsen die Hufe – wie alles andere an diesem Pferd – in atemberaubender Geschwindigkeit. Aktuell sind wir bei einem Bearbeitungszyklus von etwa vier Wochen. Handelsübliche Warmbluteisen könnte sein Hufhorn gar nicht tragen. Und im aktuellen schwül-warmen Januar gehen selbst die leichten Galopper-Trainingseisen regelmäßig flöten. Besten Dank an der Stelle meinem unendlich zuverlässigen und geduldigen Hufschmied Todor Demirov!!!

Stillstehen in der Stallgasse war für ein Rennpferd anfangs gewöhnungsbedürftig
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Strahlfäule und White Line Disease haben wir mit ausgiebigen Hufbädern in Desinfektionsmittel (Disifin, im Hufschuh aufgegossen) in den Griff bekommen. Doch nach 2 Tagen ohne, ging das Theater wieder von vorne los. Statt den langwierigen Desifektionsbädern bin ich nun dazu übergegangen, Dukes Hufe täglich mit dem Schlauch abzuwaschen und anschließend die Sohle mit verdünntem Desinfektionsmittel zu bespritzen. Auf den frisch gereinigten Huf kommt dann Hufpflegemittel, um das Horn vor äußerlichen Einflüssen zu schützen. Inzwischen haben wir einige Hersteller getestet: Aktuell nutze ich die Produkte des bayerischen Anbieters Aran-ya.

Zuletzt habe ich auf Verdacht Biotin gefüttert. Doch ein Blutbild war ohnehin mal wieder fällig und steht für kommende Woche auf der Agenda. Vielleicht zeigt sich ja eine Auffälligkeit. Das Problem in der Futterschüssel zu lösen, wäre sicherlich der einfachste Weg …

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