Ein Rennpferd hat einen vollen Terminkalender

Ein Rennpferd hat einen vollen Terminkalender
Foto: TT
Adventskalendar

Viele Reiter können sich, glaube ich, gar nicht vorstellen, dass so ein Rennpferdetag echt durchstrukturiert ist. Und zwar jeden Tag. Denn ein Rennpferd ist ein Sportler und wenn Susi Freizeitreiter sagt, das Pferd muss jetzt aber zweimal die Woche frei haben, weil es anstrengendes Bodenarbeitstraining gab, dann lacht das Rennpferd natürlich darüber. Denn sein Renntraining ist das A und O und das sollte bitte auch tunlichst beibehalten werden.

Dann sind da noch Tierarzttermine, Schmiedetermine und andere gesellschaftliche Verpflichtungen, die so ein Rennpferd von Welt hat (Stallparadenfotos, Wellness, Körperpflege – living the dream). Und natürlich Freizeit. Die möchte sich ein Rennpferd natürlich auch nicht nehmen lassen.

Grundsätzlich kennt jedes Rennpferd diesen Terminkalender und sie sind häufig sehr ungehalten darüber, wenn er nicht eingehalten wird. Wer findet, dass Katzen Gewohnheitstiere sind, der hat noch kein schlecht gelauntes Rennpferd gesehen, dem das Heu zu spät am Morgen kredenzt wurde. HALLO? Jetzt habe ich fünf Minuten weniger Zeit das zu mümmeln, bevor wir auf die Bahn gehen! Skandalös. Schlechte Laune garantiert. Der Futterwagen darf auch nicht zu spät um die Ecke rollen, man hat ja Anschlusstermine.

Einen Tag lässt die Rennpferdefraktion sich das vielleicht noch gefallen, spätestens am zweiten Tag ist bei der Hälfte von ihnen Kasalla. Das gilt vor allem dann, wenn das Training nicht wie gewohnt abläuft und man gar “nur traben” darf. Oder so was machen muss wie – Dressur. Manch ein Trainer lässt ja auch mal dressurlich ein bisschen gymnastizieren. Häufig schieben andere Reiter das Verhalten auf: “Die armen Pferde kommen ja nicht raus”. Fakt ist aber – das Rennpferd, auch wenn es ansonsten den halben Tag auf der Weide steht, versteht nicht, wenn sein Job plötzlich gestrichen wurde. Was ist denn mit diesem “Rennen”? Ist man jetzt kein “Renn”pferd mehr? Sondern nur noch Pferd? 

Da kann man die noch so sehr im Futter runterfahren und versuchen ruhig zu halten – die kennen ihren Terminplan. Und wenn morgens plötzlich kein Canter mehr drinsteht, dann werden die wirr. 

Das verstehen die Leute häufig nicht. Aber die Pferde sind ja nicht doof. Die wissen zwar nicht, was das Prinzip “Gestern” oder “letzte Woche” ist. Aber sie wissen schon: Ich gehe jeden Morgen nach X raus, um auf der Bahn schnell zu laufen. Nimmt man was davon weg, sieht das Pferd a) ja trotzdem die anderen dabei und b) kennt es ja besagten Terminplan. 

Auch darum tun sich Galopper häufig beim Normalo-Reiter schwer. Weil der keinen Terminplan bieten kann und will. Und wenn er häufig Pause macht, dann kann der Galopper erst Mal nichts damit anfangen. Pause? Gibt’s nach Feierabend. Heißt Freizeit. Man will ja auch nicht lange am Stück etwas von ihnen. Das heißt, die können sich den restlichen Tag mit allem anderen beschäftigen. Lange Konzentration auf eine Sache ist daher auch gerade am Anfang nicht des Galoppers Stärke.

Natürlich kann sich auch jeder Galopper mit Nichtstun, Mußestunden und schlichtem Chillen arrangieren. Aber er wird schon immer wieder nach dem Terminplan suchen. Weil die Gewohnheit ihm eine Menge Sicherheit gibt. 

Außer, es ist mein Pferd, der grundsätzlich was gegen morgendliche Termine hat und auch sonst bitte gar nichts nach Terminplan machen möchte. Aber bitte auch nicht abends, da hat er Yoga. Komm lieber Mittags. Aber nicht zur Futterzeit. Nein, sonntags hat er Stammtisch, da kann er leider nicht … 

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