Christian von der Recke über Hindernisrennen

Christian von der Recke über Hindernisrennen
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Unser RaceBets Botschafter Christian von der Recke gehört zu den Trainern in Deutschland, die Pferde für Hindernisrennen vorbereiten. Das verwundert nicht: mit Hürden- und Jagdrennen erlebte er einst seinen Durchbruch und war 13 Mal Deutscher Champion. Und er feierte im Ausland Erfolge, sogar in England. Aber der deutsche Hindernissport ist seit Jahren im Niedergang, umso interessanter sind seine Ausführungen zu diesem Thema. Zu dem Zeitpunkt, an dem dieser Blog Post verfasst wurde, war (auch aufgrund von Corona) nur ein einziges Hindernisrennen in Deutschland gelaufen worden: am 2. Oktober in Honzrath. Und es sind keine weiteren ausgeschrieben.

Der Hindernissport ist attraktiv

„Ich komme aus dem Hindernissport, habe in Deutschland und international über 500 Hürden- und Jagdrennen gewonnen und diverse Championate. Natürlich habe ich weiterhin eine Verbindung zu den Rennen über die Sprünge. Schade, dass es immer weniger Rennen in Deutschland gibt. Attraktiv macht den Hindernissport, dass man auch als Laie direkt sehen kann, wer gut ist und wer schlecht. Der, der gut springt, ist der bessere. Und wer Fehler macht, ist schlechter. In Flachrennen ist es bis in die Zielgerade schwer zu sehen, wer besser geht und wer nicht.

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Alles begann mit Hindernisrennen

Hindernisrennen
Hindernisrennen, Foto: TT

Nicht nur aus meiner Sicht sind Hindernisrennen der Ursprung der Pferderennen. Es ging halt in der Anfangszeit darum, über einen Graben zu springen. Hindernisrennen haben beispielsweise in England eine unglaubliche Beliebtheit. Ich kann als kleiner Züchter oder einfacher Farmer Pferde züchten, die Rennen gewinnen und mir dann im besten Falle für viel Geld abgekauft werden. Aus 5000 Pferden gibt es immer den einen von den großen Besitzern gekauften zukünftigen Superstar aus kleiner Zucht. Die Abstammung ist nicht so entscheidend, wie in den Flachrennen. Und wenn eine Hausfrau oder ein Rentner einmal im Jahr eine Wette tätigen will, dann vermutlich im Grand National.

Hinzu kommt die Tatsache, dass Hindernispferde länger auf der Bahn aktiv sind. Man kennt sie einfach. Und man fühlt sich mit ihnen verbunden. Das Herz der Leute hängt in England und in Irland viel mehr am National Hunt Sport als an den Flachrennen. Er ist was für Jedermann und die Flachrennen sind etwas für die Reichen. Der Stellenwert zum Beispiel in Irland ist daran zu erkennen, dass auch Spitzentrainer wie die O’Briens, Jessica Harrington und Dermot Weld ihre Basis im National Hunt Sport haben und dort teilweise mehr Pferde satteln oder gesattelt haben als auf der Flachen.

Hindernistraining in Weilerswist

Zum Thema, ob wir grundsätzlich alle Pferde springen, kann ich nur Jein sagen. Wenn einer pullt wie ein Verrückter oder sehr steif ist, dann verzichten wir darauf. Aber ansonsten springen wir schon gerne, auch wenn es mehr war, als wir einen eigenen Hindernisjockey wie Peter Gehm am Stall hatten. Ein gutes Beispiel ist Scapolo, der für uns Grupperennen gewann. Der war nachher etwas müde, er hat also seine Leistung nicht mehr gezeigt. Wir haben ihn viel gesprungen und dann lief er in England erfolgreich über Hindernisse. Wir konnten also direkt das Metier wechseln.

Peter Gehm
Peter Gehm

Jetzt springen wir immer noch regelmäßig, aber nicht an speziellen Tagen. Wir legen keinen grundsätzlichen Tag fest. Es kann zum Beispiel an einem Dienstag ja auch mal regnen und auf schwerem Geläuf bzw. wenn der Kurs unter Wasser steht, springen wir nicht. Das gleiche gilt im Sommer, wenn der Boden fest ist. In den Trainingsalltag ist aber das Springen bei uns integriert. Noch ein Wort zur unseren Trainingsmöglichkeiten: Neun feste Jagdsprünge stehen uns auf der Trainingsablage zur Verfügung. Die Ligusterhecken stellen originalgetreue Schulung der Pferde sicher. Neben zwei original englischen Hürden verfügt unser Parcours über fünf Hürden, die mit braunen Kunststoff-Besen eine gleichbleibende Qualität und somit mehr Sicherheit bringen.

Die Planung für Starts

Wenn es um Pferde für Hindernisrennen und ihre Starts geht, verfahre ich (wie bei den Zweijährigen) meist nach dem Prinzip, es allen erst einmal leicht zu machen. Es kann ja doch mal etwas schief gehen aus Unerfahrenheit. Eine Fahrt nach Frankreich oder nach England kostet einiges an Geld, wenn ich in Deutschland starten kann, bevorzuge ich das. Außerdem ist es im Ausland noch wahrscheinlicher, auf starke Gegner zu treffen. Man fährt schließlich nicht nur wegen der Spesen, sondern um etwas mitzunehmen. Zum Beispiel sind meine Sieger in England zuvor meist in Deutschland angetreten und haben Erfahrung gesammelt. Und dann waren sie gut genug, um im National Hunt Sport zu bestehen.

Christian von der Recke: Es wird weiter Starter über Hindernisse geben

Scapolo siegt unter W. O'Connor
Scapolo siegt unter W. O’Connor

Auch wenn die Situation im deutschen Galopprennsport bezüglich der Hindernisrennen beklagenswert ist, fördere ich diesen Sport weiter. Wenn ich ein passendes Pferd im Stall habe und Talent erkenne, werde ich das Pferd schulen. Etwas anderes kann ich mir nicht vorstellen, man hängt halt mit Leib und Seele an diesem Sport. Das Herz ist weiterhin dabei, auch wenn es wegen der Umstände weniger wird. Wir hatten nichts mehr in England über die Sprünge am Start in letzter Zeit, weniger in Frankreich und nichts mehr in Italien wegen der dortigen Zahlungsmoral. Aber wenn man um die 500 Hindernisrennen gewonnen hat und so oft Champion war, kann und will man das alles nicht ganz wegwischen. Man guckt sich immer wieder mal einen an und denkt: mit dem möchte ich es doch nochmal probieren. Wenn man dann bestätigt wird, findet man das alles dann wieder doch gut. Also: der Hindernissport wird bei mir weiter eine Rolle spielen, ganz klar.“

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