Die größten Überraschungen im Deutschen Derby

Die größten Überraschungen im Deutschen Derby

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Im Jahr 1868 gewann der Hengst Investment das erste Deutsche Derby. Genau genommen handelte es sich damals noch um das Norddeutsche Derby. Er hatte vier Gegner und war als Favorit angetreten. Ihm folgten 150 weitere Sieger (darunter mit Amalie von Edelreich, Palmyra, Künstlerin, Gamiami, Budagyöngye, Patience, Pontresina, Nereide, Schwarzgold, Asterblüte, Lustige und Borgia 12 Stuten) im wichtigsten deutschen Galopprennen. Wir erinnern an die größten Überraschungen.

Die Überraschungen im 19. Jahrhundert

Die erste Überraschung im Rückblick ist, dass der Derbysieger des Jahres 1872 ausgelost wurde. Wenn man also in die offizielle Siegerliste schaut und dort den Namen Hymenaeus liest, muss man wissen, dass es offiziell ein totes Rennen gegeben hatte. Allerdings ursprünglich für den zweiten Platz. Der eigentliche Sieger des Rennens war Primas. Es hieß unter den Jockeys allerdings, dass dessen Reiter an der ersten Ecke eine Stange umgeritten hatte, was dieser auch zugab. Also wurde er disqualifiziert. Und um den wirklichen Sieger zu küren, wurde das Los gezogen.

Im Jahre 1874 gewann der Hengst Paul ein turbulentes Derby. Es war ein Duell eines österreichischen Hoffnungsträgers namens Roman und des Deutschen Hamadryade. Doch es gab eine Behinderung, einen Protest, einen Sturz (Hamadryade) und zwei lahm aus dem Rennen kommende Pferde. Am Ende hatte Paul gewonnen, der in den späteren Jahren Hindernisrennen bestritt und Deckhengst in Litauen wurde.

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Deutsches Derby-Meeting
Deutsches Derby-Meeting, Foto: TT

Budagyöngye, eine Stute aus Ungarn, gewann im Jahr 1885 in Hamburg. Es war eine Austragung, die sportlich keinen großen Wert hatte, wie man im Nachhinein feststellen musste. Die Siegerin zahlte 100 Gulden für einen Einsatz von einen einzigen. Jedenfalls für den Besitzer, der 1000 Gulden gewettet haben soll, wenn nicht sogar mehr. Die Tochter der unbesiegten und weiterhin unvergessenen ungarischen Stute Kincsem kam tatsächlich in einem Bahnhof, genauer gesagt in einem Güterwaggon zur Welt. Und ihr Besitzer setzte bei einem Buchmacher auf den Sieg des Fohlens im Deutschen Derby drei Jahre später. Und tatsächlich gewann sie, es war der erste und der letzte Sieg ihrer Karriere. Wobei sie Glück hatte, dass unterwegs mehrere Gegner ausfielen.

Tegertthoff aus Österreich wurde im Jahr 1888 zum Derby Sieger. Er war eigentlich als ein Tempomacher eingesetzt worden, profitierte vom schweren Geläuf.

Als das Schockderby ist das des Jahres 1899 in die Geschichtsbücher eingegangen. Der Grund war, dass sich die Deutschen gegenüber den Österreichern überlegen fühlten. Doch die belegten die ersten vier Plätze. Der Sieger riss später keine Bäume mehr aus, sein Name war Galifard.

Nicht erwartet war der Sieg ein Jahr später von Hagen. Der klare Favorit Capo Gallo wurde Vierter. Doch wie man später feststellte, hatte sein Reiter kein Interesse am Sieg, er unternahm alles, um nicht vorne zu sein. Und verlor später seine Lizenz. Der Besitzer des Siegers war übrigens gar nicht vor Ort, er hatte selbst keine größeren Erwartungen an Hagen. Und der Gestütsleiter soll das Telegramm mit der Nachricht vom Sieg einfach in den Papierkorb geworfen haben

Überraschungen im 20. Jahrhundert

Deutsche Derby, Foto: TT

Nun springen wir in das Jahr 1959. Das Gestüt Röttgen träumte schon lange vom Derbysieg. Vier Starter hatte man in diesem Jahr, und ausgerechnet der mit der geringsten Chance wurde zum Sieger. Nämlich Uomo. Er lief nach dem großen Sieg noch 40 Mal, konnte seine Leistung aber nie wiederholen. Er gilt als einer der schwächstem Derbysieger überhaupt, zeigte aber im richtigen Moment seinen Speed.

Don Giovanni ist einer der vielen Derbysieger des Gestüts Schlenderhan. Er gewann im Jubiläumsjahr 1969, doch geglaubt hatte an ihn kaum jemand. Im Union Rennen kam er auf Rang 7 ein, hatte dann in Hamburg das Glück auf seiner Seite, weil die Konkurrenz in eine Drängelei verwickelt worden war. Möglicherweise war auch einfach der englische Jockey Brian Taylor der ausschlaggebende Faktor.

Lauscher gewann im Jahr 1971 zur Quote von 220:10. Es hatte im Vorfeld keinen klaren Favoriten gegeben. Der Hengst zeigte vor dem Derby zwei indiskutable Leistungen, doch im Rennen der Rennen hatte er einen großen Moment. Da auch auf den Plätzen Außenseiter einkamen gab es eine Quote in der Dreierwette von 368.228:10.

Königsee zahlte im Jahr 1975 die Quote von 280:10. Er war der erste Derbysieger aus Bremen, Trainer war Adolf Wöhler, der Vater von Andreas Wöhler. Dieses Pferd hatte zwar stets Talent, jedoch Probleme mit den Beinen, weshalb er immer mal wieder schwächere Leistungen zeigte. Sein Trainer schaffte es jedoch ihn für seinen wichtigsten Tag fit zu machen. Danach konnte er nicht mehr laufen, wurde Deckhengst in Brasilien.

Galopprennbahn Hamburg-Horn
Galopprennbahn Hamburg-Horn, Foto: TT

Ako war im Jahr 1982 eine der größten Sensationen. Er wurde in Hassloch von Trainer Herbert Heibertshausen trainiert, seine Besitzerin Steffi Seiler hatte den Hengst als Geschenk zum Geburtstag bekommen. Sie war erst 15 Jahre alt. Ihr Vater hat sich später erschossen nach finanziellen Problemen… Die Quote von Ako lag bei 608:10. Daran reicht kein anderer Überraschungsderbysieger ran.

Luigi war der Derbysieger vom Schinken Derby. Dieses fand im Jahr 1988 statt. Der eigentlich für ihn angedachte Reiter Olaf Schick klaute kurz vor dem Derby einen Schinken aus Spaß und verlor den Ritt. Der Hengst war von der Quote her zwar ein Außenseiter mit 260:10, aber sein Sieg war keine große Sensation. Er hatte im Vorfeld ordentliche Leistungen gezeigt und stand durchaus im Fokus.

Die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts

Karloff sorgte beim Derby 1990 für eine Sensation. Er lief für den Stall Steigenberger, der eigentlich den großen Favoriten stellte, nämlich Mandelbaum. Der hatte allerdings Zahnprobleme und musste im Stall bleiben. Und dann siegte der große Außenseiter im Feld vor der im gleichen Besitz stehenden Stute Calcavecchia. Der Siegerquote betrug 223:10. Karloff war kein guter Derbysieger, ging später sogar über die Hindernisse.

Ein Jahr später gab es mit Lomitas einen glasklaren Favoriten. Der von Andreas Wöhler trainierte Superhengst, zu dem es auch einen eigenen Artikel in diesem Blog gibt, war definitiv das beste Pferd seiner Generation. Doch ausgerechnet im Derby hatte er Pech. Es gewann Temporal, geritten von einem gewissen Lanfranco Dettori. Die Quote lag bei 384:10.

Ebenfalls ein Pferd, das in die Geschichtsbücher Eingang fand, ist Lando. Im Jahr 1993 triumphierte er aber in Hamburg zur Quote von 245:10. Erst später fand man heraus, dass er zwingend gutes Geläuf benötigte, das er im Vorfeld des Derbys einfach nicht angetroffen hatte. Zu ihm und zu seinen Konkurrenten aus dem gleichen Jahrgang gibt es ebenfalls einen eigenen Text in diesem Blog. Später gewann Lando bekanntlich den Japan Cup. Sein Bruder Laroche überraschte im Derby 1994 zur Quote von 181:10.

Im Jahr 1998 hatte es sehr stark geregnet in Horn. Das Geläuf war ein Sumpf. Und zu seinem ersten von später vielen weiteren Derbysiegern kam ein gewisser Jockey namens Andrasch Starke. Und zwar mit Robertico, der diese Leistung später nicht mehr einstellen konnte.

Nun die vergangenen Jahre

Buzzword nach dem Sieg im IDEE 141. Deutsche Derby
Buzzword nach dem Sieg im IDEE 141. Deutsche Derby, Foto: TT

Im Jahr 2010 gab es den ersten ausländischen Sieg im Deutschen Derby in der Neuzeit. Die Erfolge von Österreichern in den Anfangsjahren lassen wir hier einmal außen vor. Das Rennen war über Jahrzehnte nicht offen für Gäste, das änderte sich 1994. Und dann kam nach 16 Jahren ausgerechnet ein Außenseiter namens Buzzword und siegte für Godolphin. Die Quote lag bei 188:10. Bestätigt hat der Hengst diese Form nicht mehr.

Pastorius triumphierte, von Mario Hofer trainiert, im Jahr 2012 mit einer halben Länge Vorsprung vor dem favorisierten Novellist, der sich später als der Beste seiner Generation herausstellte. Ganz an der Außenseite kam er angeflogen, war für die Kameras kaum zu sehen. 321:10 betrug die Quote. Es folgten weitere starke Leistungen, unter anderem ein Sieg auf höchstem Level überlegen in München und einer ein Jahr später in Frankreich.

Mit Isfahan, trainiert von Andreas Wöhler, war im Jahr 2016 nicht unbedingt zu rechnen. Auch die platzierten Pferde hatten hohe Quoten, beim Sieger lag sie bei 168:10. Bemerkenswert war, dass der Trainer und seine Frau diesen Hengst gezüchtet hatten, er kam nach dem Derby leider nicht mehr an den Start.

Deckhengst Isfahan im Galopp auf der Weide
Deckhengst Isfahan im Galopp auf der Weide

Auch In Swoop war Außenseiter

Wenn man das Wort Außenseiter mit lohnender Quote gleichsetzt, muss auch noch ein Blick auf das Derby des vergangenen Jahres erfolgen. Der in Frankreich trainierte Sieger In Swoop aus dem Gestüt Schlenderhan hat durch etliche starke Leistungen gezeigt, dass er tatsächlich das beste Pferd seiner Generation ist. Unter anderem war er bekanntlich Zweiter im Prix de l‘Arc de Triomphe. Vor Hamburg war er nur zweimal angetreten, hatte beim Debüt gewonnen und danach in der Gruppe 2 einen dritten Platz belegt. Deshalb stand er vergleichsweise hoch in den Quoten, nämlich bei 147 für 10 Euro Einsatz. Wir wissen natürlich, dass mittlerweile in Deutschland alles auf einen Euro gerechnet wird, aber auf 10 Euro erscheint uns doch so eine Quote imposanter und leichter zu deuten.

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