Marco Klein: „Weg mit den Dinosaurier-Zeiten“

Marco Klein: „Weg mit den Dinosaurier-Zeiten“
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Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf alle Facetten des Lebens, auch im Galopprennsport gehen wie Uhren seit Anfang März anders. Es gab im Anschluss an die Sandbahn-Saison eine zweimonatige Rennpause bis Anfang Mai, ehe man wieder durchstartete, wenn auch ohne das gewohnte Publikum auf den Rennbahnen. Doch mehr als gelungene Rennveranstaltungen wurden und werden seither durchgeführt.

Sogar die ARD-Sportschau berichtete bereits über mehrere Großereignisse, und inzwischen gibt es auch einen Deal mit einem TV-Kanal, wo insgesamt zehn Veranstaltungen übertragen werden. Und dies nicht nur für wenige Minuten, sondern mindesten zwei Stunden lang, womit eine Präsent in den Medien erreicht wurde, die es in dieser Form lange nicht mehr gegeben hat. Hierbei ist auch der Livestream besonders positiv zu erwähnen, der mit großem technischen und personellen Aufwand die Bilder von den verschiedensten deutschen Galopprennbahnen in bemerkenswerter Qualität in die Wohnstuben, auf die Laptops oder die Smartphones zaubert.

Die Aktiven haben seit dem Restart wieder Verdienstmöglichkeiten, wenn auch in aller Regel nur die Hälfte der normalerweise gewohnten Rennpreise zur Verfügung stehen. Das ist nach wie vor eine schwierige Phase, die sich keiner gewünscht hat, aber aus jeder Krise geht man gestärkt hervor. Und es sieht ganz danach aus, als wäre der Galopprennsport in Deutschland besser als etliche andere Disziplinen noch relativ gut durch die vergangenen Monate gekommen.

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Die meisten der großen Rennen wurden gemäß ihrem „Fahrplan“ oder mit nur geringere Verzögerung inzwischen durchgeführt. Sogar das IDEE 151. Deutsche Derby mit dem Sieg des Schlenderhaners In Swoop war, nur eine Woche später als ursprünglich vorgesehen, ein würdiges Highlight der deutschen Rennsaison. Selbst Turf-Nationen wie Frankreich oder England starteten erst später als Deutschland mit ihren Rennen, vor allem auf der Insel, wo die Pandemie stark wütete, dauerte es lange, ehe der Sport wieder seine volle Fahrt aufnahm.

In Swoop siegt unter R. Thomas im IDEE 151. Deutschen Derby, Gr.1
In Swoop siegt unter R. Thomas im IDEE 151. Deutschen Derby, Gr.1

Auch unser RaceBets-Ambassador Marco Klein hat sich über die Corona-Phase und die letzten Monate seine Gedanken gemacht. Aus erster Hand berichtet der Profi-Coach, dessen Stall in den letzten Jahren immer weiter expandierte, ob sich Veränderungen für seinen Mannheimer Rennstall ergeben haben und wie er die Probleme bislang gemeistert hat. Hier seine Zusammenfassung über Highlights, Überraschungen, Enttäuschungen, seinen Umgang mit der Pandemie und Hoffnungen auf eine neue Zukunft:

Nicht eingesperrt im Home-Office

„Toi toi toi, für mich hat sich durch die Coronza-Zeit nicht viel verändert. Wir haben ganz normal weitertrainieren können. Das war ein großer Unterschied zu vielen anderen Leuten, die teilweise im Home-Office eingesperrt waren und nicht mehr raus kommen konnten. Ich bezeichne das als Riesen-Glück.

Auch bei meinen Besitzern hat es erfreulicherweise keine Abgänge oder Schieflagen gegeben. Im Gegenteil, ich habe sogar noch neue Eigner hinzubekommen. Unser Stall hat sich sehr ins Positive entwickelt. Ich bin auch dankbar, dass es die Geisterrenntage überhaupt gibt, auch wenn die Reduzierung der Geldpreise natürlich alles schwerer macht.

Live-Erlebnis ist das A und O

Sehr schade war, dass längere Zeit keine Besitzer auf die Rennbahnen durften und wir nur über das Telefon kommunizieren konnten. Das hat mich traurig gestimmt, den Pferden macht das natürlich weniger aus. Ein Teil der Rennbahnen hat die Veranstaltungen ganz toll umgesetzt, wie Köln mit dem Foodtruck. Einige haben sich schwer getan und erst nichts zum Essen oder Trinken angeboten, aber inzwischen voneinander gelernt. Ich bin sehr froh, dass inzwischen Besitzer wieder zugelassen sind, ihre Pferde vor Ort sehen können. Denn dieser Spaß am Rennsport lebt doch vom Rennbahnbesuch, vom Live-Erlebnis.

Lob für die Übertragungen

Die tolle Qualität der Bilder und der Übertragungen ist natürlich ein Riesen-Ausgleich. Ich bin sehr angetan von den neuen Perspektiven, der Kamerafahrten, den Begleitpferden und den Kurzinterviews mit den Reitern. So nahe ist man als Besitzer sonst auch selten dabei. Eine Super-Sache! Auch Thorsten Castle und Alexander Franke machen als Moderatoren einen sehr guten Job. Sie präsentieren die Rennveranstaltungen locker und witzig und gehen auf ihre Interview-Partner ein. Mit beiden hatte ich schon angenehme Gespräche. Sie bringen eine persönliche Note hinein. Ich denke, dass viele Leute auf diese Art und Weise den Rennsport besser kennenlernen. Das hat uns sehr vorangebracht in der Außendarstellung, auch durch einen öffentlichen Youtube-Kanal.  

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Lohnende Investition

Der Sport tut gut daran, ein paar Tausend Euro hier mehr in die Hand zu nehmen, denn das wird uns nachhaltigen Erfolg bringen. Man kann die Bilder und Übertragungen nicht mehr mit denen vor zwei, drei Jahren vergleichen. Nun können wir als Deutscher Galopp den TV-Sendern Top-Material anbieten, und diese nutzen es dann viel eher und integrieren Galopprennsport in ihre Sendungen.

Werbung im eigenen Umfeld

Sehr positiv ist auch die Zusammenarbeit mit dem Sender Sport 1. Natürlich muss das entsprechend beworben werden. Aber da sind auch wir Aktive gefragt. Wir müssen uns selbst an die eigene Nase fassen und als Trainer, Jockeys oder Besitzer oder einfach als Anhänger des Galopprennsports Werbung in unserem eigenen Umfeld machen. Wenn wir unseren Leuten sagen, dass die Rennen im Fernsehen übertragen werden, dann bleibt sicherlich der eine oder andere dran und letztlich auch am Turf hängen. Vielleicht bekommen wir dadurch neue Rennbahnbesucher, wenn das wieder möglich ist, oder auch neue Besitzergemeinschaften. Dann ist uns allen geholfen.

Marco Klein
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Kein elitäres Denken

Eines sollten wir dabei endgültig ad acta legen, und zwar das elitäre Denken, dass der Rennsport etwas Besseres, etwas Elitäres sei, wie vielleicht vor fünfzig oder sechzig Jahren. Solche Gedankengänge gehören der Vergangenheit an. Gerade wir jüngeren Aktiven wollen keine Sportart aus Dinosaurier-Zeiten sein, weg damit! Wir dürfen die jungen Menschen ja nicht erschrecken mit Ansichten aus grauer Vorsicht, sondern leben im Jetzt und Heute. Ich bin angesichts der getroffenen Maßnahmen sehr optimistisch und glaube, dass wir genau den richtigen Weg im hiesigen Rennsport eingeschlagen haben.

Gemeinsam auf die Füße kommen

Natürlich ist der Satz, dass alle an einem Strang ziehen müssen, hinlänglich bekannt. Aber es ist aus meiner Warte von ganz entscheidender Bedeutung, dass wir alle gemeinsam wieder auf die Füße kommen. Und da geht eines zum anderen. Wenn wieder Zuschauer auf unseren Rennbahnen  zugelassen werden, dann kehrt auch der Spaß zurück. Ein sehr positives Zeichen ist ja auch, dass die Anzahl der Pferde in Training gegenüber dem letzten Jahr sich nicht groß verändert hat. Trotz Corona.

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