Michael Cadeddu erklärt wie man Jockey wird

Michael Cadeddu
Michael Cadeddu im Portrait am 26.05.2019 Renntag in Düsseldorf.
RaceBets Million

Michael Cadeddu, RaceBets Ambassador und Jockey, gehört zu den erfolgreichsten Rennreitern im Land. Auf Dauer kann er, nicht zuletzt wegen seines Alters, sogar zur absoluten Spitze gehören. Der Italiener begann in seiner Heimat als Amateur. Doch bevor er berichtet, wie man Jockey wird und in diesem Zusammenhang Tipps gibt, kurz noch eine Nachricht aus der vergangenen Woche. „Ich freue mich, dass ich in Zukunft bei Markus Klug reite“, wurde Michael Cadeddu bei Galopponline zitiert. „Ich werde wie bisher aber jeden Montag auch in Krefeld bei Mario Hofer reiten, dort steht ja auch der dreijährige Azonto, eines der Pferde meiner Frau.“

Michael Cadeddu
Karakorum siegt unter Michael Cadeddu am 19.01.2020 in Dortmund.

Nun also: Wie wird man ein erfolgreicher Jockey? Diese Frage stellten wir unserem RaceBets Jockey. Wir säumen das Pferd wie man so sagt von zwei Seiten auf. Da wäre zuerst einmal der Faktor Ausbildung. Wenn man dann erst einmal Rennen reitet, gehören neben Talent und Ehrgeiz auch viel Fleiß und ein wenig Glück dazu, um nach oben zu kommen. Dass man diesen Titel erst dann tragen darf, wenn man 50 Rennen in Deutschland gewonnen hat, wollen wir in diesem Zusammenhang vorwegnehmen, auch wenn es allgemein bekannt sein sollte.

Michael Cadeddu: Tipps für angehende Jockeys

„Wie ich immer wieder in diesen Texten betone, geht es bei uns Jockeys darum, zu lernen. Wir müssen über die Tiere Bescheid wissen, die wir reiten und Erfahrungen sammeln, um im entscheidenden Moment reagieren zu können. Und wir müssen Allzeit bereit sein. Es darf uns nicht stören, wenn wir an einem Wochenende erst in Köln und dann in München in den Sattel steigen und wenige Tage später in Hoppegarten. Man hat während der Saison kein geregeltes Familienleben. Das klingt negativ, doch ich möchte betonen: Der Galopprennsport ist ein toller Sport, den ich über alles liebe…

Michael Cadeddu
Karakorum siegt unter Michael Cadeddu am 19.01.2020 in Dortmund.

Ich kann ehrlich gesagt nicht viel über die deutsche Ausbildung zum Pferdewirt sagen, weil ich meine in Italien genossen habe. Ich komme aus einer Familie, die dem Galopprennsport immer nahe stand. Bereits mein Opa hat Pferde trainiert. Auch mein Vater war Trainer. Meine Mutter ist Schauspielerin, deshalb habe auch ich schauspielerische Erfahrungen gesammelt, war wie bereits mehrfach in diesem Blog berichtet Darsteller in einer Serie. Das war damals mein Beruf. Ich bin morgens zum Stall, dann mit dem Mofa zu den Studios. Zu sah für mich der Alltag aus. Zwei Herzen schlagen in meiner Brust, habe ich einmal gesagt. Als Amateur war das noch möglich, irgendwann musste ich mich entscheiden. Das war die Zeit nach meiner Lehre, als ich das erste Mal nach Deutschland kam. Ich kehrte wegen der Serie noch einmal nach Italien zurück, spielte meine Rolle weiter und seitdem dies vorbei ist, bin ich wieder hier.

Gute Jockeys als Vorbilder

Es gibt viele gute Jockeys in Deutschland, die man sich als junge Reiter als Vorbild nehmen kann. Auch für mich sind sie Vorbilder, die Kollegen Adrie de Vries, Filip Minarik, Eduardo Pedroza, Andrasch Starke und so weiter. Ich versuche mir möglichst viel von ihnen abzuschauen. Und ich schaue mir auch immer meine Ritte an. Was habe ich in einem Moment falsch gemacht, was hätte ich anders lösen können. Man entwickelt zwar auf dem Pferd mit der Zeit ein Gefühl, doch alleine darauf kann man sich natürlich nicht verlassen.

Michael Cadeddu
Michael Cadeddu im Portrait am 03.08.2008 in Frankfurt.

Um erfolgreich Rennen zu reiten, muss man quasi klein beginnen. Je jünger man  anfängt, sich mit Pferden zu beschäftigen, desto besser. Ich war wie angedeutet familiär vorgeprägt. Das habe ich in diesen Blogs häufiger bereits berichtet. In ganz Deutschland werden Rennpferde trainiert, wer diesen Text liest und Interesse an diesem Sport hat, sollte einfach mal mit dem Trainer in der Nähe zum Wohnort reden. Oder bei einer Rennveranstaltung. Dann kann man beginnen ein Pferd zu pflegen und auch mal zu reiten. Je mehr man im Training reitet, desto mehr Gefühle entwickelt man für die Tiere. Das ist ungemein wichtig. Trainer erkennen Talente. Wir brauchen Nachwuchs in diesem Sport. Wer also einen guten Eindruck gemacht, hat eine sehr gute Chance, wiederkommen zu dürfen.

Nadine O. siegt unter Michael Cadeddu
Nadine siegt unter Michael Cadeddu am 03.08.2008 in Frankfurt.

Stichwort Lehre

Eine Lehre als Pferdewirt sollte man nur dann beginnen, wenn man weiß, dass man keine Probleme mit dem Gewicht bekommen wird. Wer klein und leicht ist, ist in diesem Beruf im Vorteil und hat eine erste Voraussetzung erfüllt. Die zweite ist: Man muss die Pferde lieben, denn früh am Morgen beginnt die Arbeit und sie muss an jedem Tag der Woche getan werden. Nachmittags ist man ebenfalls aktiv, vor allem in der Lehre. Und dies das ganze Jahr hindurch. Man muss mobil sein, sich also nicht scheuen, durch das halbe Land zu fahren, um Pferde zu führen oder halt – wie in meinem Beruf – zu reiten. Ohne Passion wird man nicht ganz so viel Spaß haben, prophezeie ich mal. Reich wird man in diesem Job leider nicht, vor allem nicht zu Beginn. Selbst die ganz großen Reiter werden nicht plötzlich Millionäre oder ähnliches. dessen muss man sich bewusst sein. Es ist ein harter Job aber auch ein sehr schöner.

Michael Cadeddu
Alenza siegt unter Michael Cadeddu am 01.05.2019 in Hannover.

Um die Lehre im Rennsport zu beginnen, muss man natürlich die Schule abgeschlossen haben. Das ist eine grundsätzliche Voraussetzung. Danach geht es in der Berufsschule weiter. Die Alternative ist es natürlich, als Amateur zu beginnen. Dafür ist viel Enthusiasmus notwendig. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe wie erwähnt als Amateur begonnen. Und ich habe direkt erlebt, wie toll alles sein kann. Denn man sieht im besten Falle die Welt. Meine ersten Ritte in Deutschland habe ich für Italien in der Fegentri WM bestritten. Und nun lebe ich hier. Um wirklich ganz nach oben zu kommen, braucht man neben Talent und Fleiß auch Geduld. Selbst ich bin noch lange nicht am Ende meiner Möglichkeiten. Das denke ich zumindest.

Ich würde allen jungen Reiterinnen und Reitern raten, möglichst aufmerksam durch die Welt zu gehen. Lernt etwas von anderen Reitern. Hört auf Ratschläge. Beobachtet sehr genau. Wenn ich ein neues Pferd reiten soll, schaue ich mir im Internet die letzten Rennen von diesem an. Daraus kann ich Schlüsse ziehen. Natürlich spricht man mit dem Trainer und oft mit dem Besitzer, zumindest im Führring. Die Order sollte man einhalten. Mit der Zeit entwickelt man zwar ein Gefühl, doch man muss immer versuchen den Vorgaben zu folgen. Reagieren auf spezielle Situationen lernt man automatisch.

Erfahrung ist wichtig

Die ersten Schritte, um wirklich erfolgreich zu werden, sind allesamt mit den zuvor genannten Faktoren verbunden. Man muss Erfahrungen sammeln. Als Amateur ist dies wie angedeutet auch im Ausland möglich, schon aus diesem Grund kann dieser Weg empfohlen werden. Doch auch wer zum Nachwuchs gehört, kann sich fortbilden. Im Inland und im Ausland. Die in Köln beheimatete Jockeyschule Ist eine empfehlenswerte Einrichtung. Wer auf dem elektrischen Pferd sitzt und von Experten beraten wird, der lernt. Selbst als erfahrener Reiter ist dieses Gerät ideal für das Training. An jedem Morgen im Stall zu Reiten, bringt automatisch Erfahrung mit sich, doch quasi ohne Gefahr alles zu testen auf einem elektrischen Gerät ist nicht nur meine Erfahrungen nach einfacher. Außerdem ist sicherlich auch nicht jeder Trainer ein guter Lehrmeister. Womit ich niemanden im Speziellen meine.

Elektrischen Pferd
Auszubildende trainieren in der Jockeyschule auf dem elektrischen Pferd am 13.11.2015 in Köln.

Bekanntlich haben nicht ganz so erfahrene Reiter eine Erlaubnis in diesem Sport. Gemeint ist, dass sie weniger Kilos in den Sattel bringen müssen als beispielsweise ich. Viele Trainer und Besitzer bevorzugen deshalb die leichteren Gewichte. Wer talentiert ist, wird viele Rennen dank dieses Vorteils gewinnen. Je mehr Siege es gibt, desto weniger Erlaubnis. Mit der Zeit macht man sich einen Namen. Das bedeutet, dass man Pferde, die man bereits geritten hat, weiter reiten darf. Außerdem rufen Besitzer und Trainer an und man muss nicht suchen. Ich persönlich habe mit Sebastian Hahn einen Manager, der sich um meine Ritte kümmert. Er sagt, dass er jedes in Deutschland gelaufene Pferd kennt und das glaube ich ihm. Wir arbeiten sehr gut und vertrauensvoll zusammen. Aber nicht jeder junge Reiter braucht direkt einen Manager.

Sabine Effgen,Sebastian Hahn und Michael Cadeddu
Sabine Effgen, Sebastian Hahn und Michael Cadeddu im Portrait am 07.05.2017 in Köln.

So eine Karriere als Jockey entwickelt sich. Ich habe vor ein paar Jahren meinen jetzigen Status nicht im eigentlichen Sinne geplant. Es hat sich alles so entwickelt. Ich habe Spaß, lerne immer weiter und bin fleißig. Ich scheue mich nicht, zwischendurch nach Italien zu fliegen oder nach Frankreich zu fahren und am nächsten Wochenende von Köln nach Dresden oder München zu fahren. Das ist eine Einstellung, die man in unserem Job braucht. Dass das Familienleben nicht ganz so durchschnittlich abläuft, wird man schnell erfahren, wenn man etwas länger in diesem Sport aktiv ist. Damit muss man umgehen. Wenn die Partnerin (wie bei mir) oder der Partner ebenfalls Verbindungen zum Galopprennsport hat, ist dies ohne jede Einschränkung ein Vorteil.

Mein Fazit

Kann man einem jungen Menschen raten, ein Jockey zu werden? Wer von den Pferden und von diesem Sport begeistert ist und diesen Traum verfolgt, sollte ihn nicht aufgeben. Natürlich muss man wissen, dass man nicht reich wird und durchaus die eine oder andere Entbehrung hat. Man darf keine Gewichtsprobleme bekommen. Wer bereits zu groß ist, muss diesen Traum beenden. Dann nützt alles Talent der Welt nichts. Wenn aber alles passt, dann würde ich immer sagen, dass man diesen Traum auf jeden Fall verfolgen sollte. So wie ich es getan habe. Ich hätte auch Schauspieler bleiben können. Das ist zwar immer noch meine andere große Liebe, doch die Pferde sind stärker. Und ich habe meinen Schritt nicht bereut. Das dürfte doch Aussage genug sein.“

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