Marco Klein: „Dreijährig greift man eher nach den Sternen“

Marco Klein: „Dreijährig greift man eher nach den Sternen“
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Ab dem Alter von zwei Jahren dürfen Galopper an Rennen teilnehmen. Das bedeutendste Jahr im Leben eines Vollblüters ist im allgemeinen die Dreijährigen-Saison, denn nur in diesem Alter ist es ihnen vergönnt, am Deutschen Derby in Hamburg teilzunehmen. Auch alle anderen klassischen Rennen, die 1.000 Guineas, das Mehl-Mülhens-Rennen (2.000 Guineas) und der Preis der Diana sprechen die Dreijährigen an. Das St. Leger wurde vor einigen Jahren auch für ältere Pferde geöffnet, ist also bei uns kein Klassiker im eigentlichen Sinne mehr.

Doch auch im Alter von vier Jahren stehen den vierbeinigen Hoffnungsträgern viele Türen offen, gerade zahlreiche Grand Prix-Rennen, ob auf Listen- oder Gruppe-Parkett (insbesondere in der ersten Saisonhälfte) sind nur ihnen vorbehalten. Das ändert sich dann mit fortgeschrittener Dauer eines Rennjahres.

Unser RaceBets-Ambassador Marco Klein, Erfolgstrainer in Mannheim, hat natürlich auch seine eigene Trainingsphilosophie und seine Grundsätze. Wir haben ihn zu folgendem Thema befragt: Was sind die Vor- und Nachteile, wenn man drei- und vierjährige Pferde miteinander vergleicht? Welche Altersklasse bevorzugen Sie als Trainer, und was sind die Gründe?

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Ein Glückskauf

Natürlich erwähnt er auch seinen Schützling Indian Soldier. Dieser Nachkomme von Soldier Hollow ist eine der Entdeckungen der Saison 2020 und sicherlich die Nummer eins im Klein-Team derzeit. Von einem Rennen zum anderen steigerte sich dieser Hengst aus der Zucht des Gestüts Schlenderhan enorm, der zum Glückskauf für Besitzerin Britta Gollnick. Uller geworden ist. Schon vier Rennen gewann er in diesem Jahr. Es begann am 15. Mai in einem Maidenrennen in München, in dem er mit seinem berüchtigten Speed die Konkurrenz locker stehenließ. 

Auch in Baden-Baden zündete der Turbo

Aber auch beim Frühjahrs-Meeting in Baden-Baden sorgte Indian Soldier für Furore, als er von einem der letzten Plätze mit seinem ständigen Reiter, dem Klein-Stalljockey Tommaso Scardino, in einem Handicap die Gegner wieder überrollte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren sich die Experten einig, dass das Ender der vielzitierten Fahnenstange noch längst nicht erreicht sein würde. Und sie sollten Recht behalten, den am 15. Juni ging es in München nahtlos weiter mit dem nächsten Sieg. In einem Ausgleich III ließ sich Indian Soldier auch von dem schweren Boden, der nach heftigen Regenfällen die Verhältnisse ganz anders hatte werden lassen, nicht beeindrucken und stürmte erneut allen mit seiner großen Endgeschwindigkeit davon.

Indian Soldier siegt unter Tommaso Scardino am 26.07.2020 in München
Indian Soldier siegt unter Tommaso Scardino am 26.07.2020 in München

Mit einigen Erwartungen steuerte man das Derby-Meeting in Hamburg an. Indian Soldier gehörte in einem Ausgleich II zu den Favoriten, doch Platz elf war nicht das, was man sich von dem enorm entwickelten Hengst erwartet hatte. Möglicherweise spielte der Wechsel auf die weite 3.200 Meter-Strecke eine Rolle. Denn hier kam er nicht über einen starken Moment in Richtung des Schlussbogens hinaus und baute auf der Zielgeraden wieder an.

Den alten Indian Soldier sah man unmittelbar danach am 26. Juli in München. Wiederum verzauberte er mit Tomasso Scardino seine Fans und triumphierte am Tag des Großen Dallmayr-Preises im Ausgleich III. Und dies trotz eines hohen Gewichts von 60,5 Kilo. Sieg Nummer vier war unter Dach und Fach, und auch jetzt dürfte man die Grenzen von Indian Soldier immer noch nicht gesehen haben. Wenn der Weg durch die Handicaps abgeschlossen sein wird, könnte er möglicherweise auch in Black Type-Rennen eine Rolle spielen, wenn die Entwicklung weiterhin so positiv verläuft und er seinen Siegeswillen auch in seinen nächsten Aufgaben so an den Tag legt wie in seinen kürzlichen Prüfungen.

Hier Marco Kleins Meinung, exklusiv auf dem RaceBets-Blog:

„Ob man drei- oder vierjährige Pferde vorbereitet, hat beides etwas für sich. Es hängt in erster Linie davon ab, was der Besitzer für ein Pferd möchte. Es gibt Besitzer, die gerne einen Dreijährigen haben wollen, der zu Hoffnungen außerhalb der Handicap-Schiene berechtigt. Dann muss man natürlich sehen, was einem zur Verfügung gestellt wird.

Ausgangsposition entscheidend

Ob ein Kandidat in den früheren Dreijährigen-Rennen laufen soll, in denen auch spätere klassische Pferde antreten. Oder es handelt sich um einen Dreijährigen, der etwas später im Jahr von sich reden macht. In solch einem Falle bieten sich drei Starts an, bevor man in Richtung Handicap geht. Die Qualität, die gewünscht wird, ist die alles entscheidende Ausgangsposition.

Größere Entwicklungsmöglichkeit

Sicherlich besteht bei einem drei Jahre alten Pferd primär eine größere Entwicklungsmöglichkeit. Und dann gibt es Pferde, die schon nach Abstammung eher darauf hindeuten, dass sie im Alter von vier Jahren besser werden. Einen klaren Vorteil sehen ich nur, wenn ich einen Dreijährigen mit vielversprechender Abstammung im Stall habe, der das Potenzial für bessere Rennen besitzt. Mit einem Pferd mit Blickrichtung auf das Derby oder den Preis der Diana zu arbeiten, hat sicher seine besonderen Reize. Bei Handicap-Pferden ist das anders, diese können sich drei- oder vierjährig verbessern.

Vierjährige sind schon weiter

Bei einem Vierjährigen fallen einige Dinge bereits weg, mit denen man sich im Alter von drei Jahren bei einem Rennpferd oft noch zu beschäftigen hat. Das Wachstum spielt dann kaum noch eine Rolle, die Pferde haben das bereits in aller Regel hinter sich, wobei es natürlich auch Ausnahmen geben kann. Aber die körperliche Entwicklung ist schon deutlich weiter fortgeschritten. Gerade von drei- auf vierjährig machen die Pferde oft noch einmal einen Sprung, egal wie die Situation ist.

Indian Soldier mit großer Steigerung

Das beste Beispiel ist unser Indian Soldier. Er ist ein Soldier Hollow-Nachkomme, der als Vierjähriger noch deutlich besser wurde. Unser Ziel war zunächst, ihn über die Handicaps weiter zu steigern, was sehr gut gelungen ist. Er hat aktuell vier Rennen in dieser Saison gewonnen und besitzt jetzt eine Handicap-Marke von 69,5 Kilo (Stand: 17.8.). Er ist damit etwas schwer zu platzieren, da er zwischen Ausgleich III und Ausgleich II steht und in der höheren Klasse teilweise etwas gegen sein Handicap laufen könnte. Vielleicht werden wir es demnächst mit einem Erlaubnisreiter versuchen.

Indian Soldier Renntag in Mannheim
Indian Soldier Renntag in Mannheim

Auch bei Nachkommen von Poseidon Adventure habe ich beobachten können, dass sie oft als Vierjährige noch besser werden.

Grundsätzlich möchte ich betonen, dass sowohl drei- als auch vierjährige Pferde etwas für sich haben. Bei einem Dreijährigen ist eher das Motiv da, nach den Sternen zu greifen, wenn man Ambitionen für größere Rennen hat. Aber auch Vierjährige können sich als sehr treu entwickeln und, wenn sie so richtig ausgereift sind, noch manches bewegen.“

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