Sportpferde auf Boxenruhe

Dukes erster Tag auf einer kleinen Koppel
Dukes erster Tag auf einer kleinen Koppel
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Fütterung, Beschäftigung und Selbstmord-Prävention

6 Wochen ist es inzwischen her: Nach einem schwülwarmen Tag auf der Koppel rutschte bei meinem Ex-Galopper Duke eine Darmschlinge übers Milz-Nierenband. Die Folge? Höllische Schmerzen und sehr bald Lebensgefahr! Nach 2 Wochen in der Klinik standen bzw. stehen bei uns 8 Wochen Boxenruhe an. Für das 5 Jahre alte, voll auftrainierte Sportpferd, das tagtäglich 9 Stunden in der Herde auf die Koppel durfte. Ganz viel Ruhe, ganz viel Heu, Sägespäne und mehrfach am Tag kleine Runden Schritt gehen. Anfangs durfte er nur ruhig auf dem Paddock ein bisschen die Sonne genießen; seit neuestem (Woche 6) hat er auch ein kleines Stückchen Koppel.

Duke in Action - erst vor wenigen Wochen
Duke in Action – erst vor wenigen Wochen

Anfangs war die Devise: Kein Stress. Heute: Bitte nicht explodieren

In den ersten Wochen war noch die Frage, wie ich den rasanten Abbau aufhalten kann. Die ersten Wochen haben wir unser Schritt Pensum (3 x täglich) in winzigen Schritten gesteigert. Inzwischen hat Duke zwar kaum noch Muskeln, aber mit dem kleinen Bäuchlein erinnert er an eine Mutterstute. In den nächsten 4 Wochen geht es deutlich flotter auf 50 Minuten Schritt je Einheit. Ende des Monats checkt der Tierarzt per Ultraschall, ob die Bauchfaszien sauber verheilt ist und wie es um die schlimm entzündete Lunge steht (die Lungenentzündung war zeitweise ebenfalls lebensgefährlich). Symptome hat er – Gott sei Dank – keine mehr. Voraussichtlich darf Duke Anfang September wieder zurück Richtung Normalität gehen: Natürlich vorsichtig, damit er sich beim Antrainieren und Aufmuskeln nicht verletzt.

Ich hoffe sehr, dass Duke in den kommenden Wochen noch artig ist und sich nicht die Bauchnaht aufreißt. Aktuell heilt die Wunde überraschend gut. Doch von Tag zu Tag merke ich, wie der großrahmige Fuchs neben mir wacher wird. Kräftiger. Aufmerksamer. Die Ruhe vor dem Sturm …

Spaziergang während des Reitturniers in München
Spaziergang während des Reitturniers in München

Inzwischen sind wir von unserem naturnahen Freizeitpferdestall in die Münchner Stadt der Pferde umgezogen. Die Olympia Reitanlage GmbH ist eine weit verzweigte Sport-Anlage der Sorte “Monster”: mit 250 Boxen, 4 Reithallen (20 x 40 Meter, 20 x 60 Meter, 20 x 62 Meter, 30 x 78 Meter), 1 Longierhalle, 2 Führmaschinen, 5 Sand-Reitplätzen (20 x 60 Meter, 30 x 70 Meter, 40 x 90 Meter, 50 x 90 Meter), 2 Rasen-Reitplätzen, 1 Galopp-Bahn (wobei darauf aus Rennsport-Sicht eher ein Canterchen möglich ist), diversen Laufbändern, Solarien und einem weit verzweigten Netz an schönen Wegen. Die Pfleger – in meiner Stallgasse ein ehemaliger Jockey – sind auf die Versorgung von Sportpferden ausgerichtet und können auch Dukes Rundum-Versorgung während der Boxenruhe sehr gut abdecken.

Bei Gelegenheit gibt es hier im Blog natürlich noch eine ausführliche Vorstellung

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Boxenruhe in der Praxis: Reha nach der Kolik OP

Aktuell darf Duke noch keine Kohlenhydrate fressen; heißt, neben viel Heu und Mash bekommt er nur Luzerne, in die ich seine Medikamente und das Aufbaufutter Haemolytan mische (unterstützt die Synthese roter Blutkörperchen und beschleunigt die Heilung) sowie seine tägliche Dosis Hustensaft (Sekrosan). Er läuft 3 x täglich 20 Minuten Schritt (nächste Woche sind es schon 30), darf auf einem abgesteckten Stück Koppel grasen und auf einen kleinen Paddock die Abendsonne genießen. Er ist noch dünn, aber längst nicht mehr das Gerippe, das ich aus der Klinik abgeholt habe.

Schonkost nach der OP
Schonkost nach der OP

Gänzlich neu war für uns das Thema Aromatherapie: Ein Öl für die Lunge sandte mir eine liebe Freundin aus der Heimat und Rennsport-Bekanntschaft Nathalie Maholik (Manahorses) sandte mir das Öl “Anti Stress”, das Duke und ich schnell zu schätzen gelernt haben. Nach der Kolik OP durfte bzw. darf ich ihn ja nicht sedieren: das hemmt die Darmtätigkeit. Darum war ich für alle Behandlungsansätze offen, die uns heil und gesund durch die Zeit der Boxenruhe bringen. Natürlich hat Duke den obligatorischen Gummi-Ball, aber solche Spielereien findet er (anders als mein letzter Blüter) ziemlich doof. Er ist ein ernstes Pferd und möchte bitte auch ernst behandelt werden. Oder dem Hengst im nachbar-Paddock mal “Hallo” sagen …

Im Herbst soll bei ihm noch laparoskopisch der Raum zwischen Milz und Niere versiegelt werden; ein “Konstruktionsfehler”, den manche großrahmige Wallache haben und der Duke fast das Leben gekostet hätte (Dukes Großvater, von dem er sein Format erbte, starb bei einer Kolik OP). Nach diesem kleinen Eingriff kann sich der Darm nicht mehr im Milz-Nierenraum verhaken und das Thema Kolik ist hoffentlich Geschichte.

Fütterung bei Boxenruhe: Ein Gespräch mit Tierärztin Dr. Caroline Fritz

Beckmann: Es kommt ja leider immer mal wieder vor, dass sich ein Sportpferde verletzt und über Nacht aus dem vollen Training auf Boxenruhe umgestellt werden muss. Wie schnell kann/darf/muss ich die Fütterung runterfahren?

Fritz: Die Fütterung sollte sich immer nach dem jeweils aktuellen Bedarf des Pferdes orientieren. Wenn ein Pferd vom Training nun plötzlich auf Boxenruhe runterfahren muss, sollte auch die Ration relativ rasch an den reduzierten Bedarf angepasst werden. Dies gilt insbesondere für die Kraftfutterration, da es hier sonst zur Überversorgung mit Energie und Eiweiß kommen kann, was natürlich auch nicht gesund ist und gerade bei leichtfuttrigen Pferden schnell zur Bildung von Fettdepots und in dessen Folge im schlimmsten Fall zu daraus resultierenden Stoffwechselentgleisungen führen kann, die wiederum Krankheiten (z.B. EMS) nach sich ziehen können.

Equistro Futterexpertin Dr. Caroline Fritz berät Tierärzte und Hochleistungs-Reiter
Equistro Futterexpertin Dr. Caroline Fritz berät Tierärzte und Hochleistungs-Reiter

Prinzipiell muss man die Ration nicht ausschleichen, wie das beispielsweise bei manchen Medikamenten der Fall ist – die Reduktion angepasst an den reduzierten Bedarf genügt. Was man jedoch vermeiden sollte, ist eine abrupte Umstellung auf ein anderes Kraft-/Alleinfutter. Natürlich kann man bei längerer Boxenruhe besonders bei leichtfuttrigen Pferderassen darüber nachdenken, mittelfristig auf ein stärkereduziertes, weniger energie- und eiweißreiches Alleinfutter mit einem höheren Fasergehalt umzustellen, jedoch sollte dies in kleinen rationierten Portionen mit dem aktuellen Futter passieren, welches man dann sukzessive reduziert.

Wichtig ist natürlich auch bei Boxenruhe, dass das Pferd ausreichend Raufutter erhält und die Balance zwischen Kraft- und Raufutter gewährleistet ist. Gerade während der Boxenruhe neigen vor allem höher im Blut stehende Pferde dazu, bei unausgewogenem Bewegungsdrang, sich Unarten anzueignen oder reagieren oft auf kleine Umweltreize überempfindlich. Damit dieser erhöhte Stresspegel sich nicht begünstigend auf die Entstehung von Magengeschwüren auswirkt, sollte einerseits gewährleistet sein, dass das Pferd möglichst ad libitum Zugang zu Raufutter hat (sofern dies mit dem Gesundheitszustand vereinbar ist), damit die Magensäure kontinuierlich durch das intensive Einspeicheln von Raufutter abgepuffert wird.

Je nach Indikation für die Boxenruhe bzw. der Grunderkrankung des Pferdes kann es natürlich sein, dass ein Zusatzbedarf an bestimmten Substanzen (Vitaminen, Spuren-/Mengenelementen, Antioxidantien etc.) entsteht, der dann durch die gezielte Supplementierung dieser Stoffe ausgeglichen werden sollte. Gerade bei Sportpferden führt strikte Boxenruhe natürlich unweigerlich auch zu einem Muskelabbau, welchem man zwar durch die Zufuhr hochwertigen Proteins begegnen, den man jedoch ohne Bewegung leider nicht wirklich aufhalten kann. Hier ist es wichtig, nach auskurierter Krankheit, wieder langsam und punktuell aufzubauen, je nachdem wie es der Gesundheitszustand des Pferdes zulässt.

Abkühlung an einem heissen Sommertag
Abkühlung an einem heissen Sommertag

Beckmann: Was ist eine sinnvolle Ration für ein Pferd auf Boxenruhe (ggf. Sinnvolle Ergänzungen?) oder bei kurzer, kontrollierter Bewegung im Schritt?

Fritz: Wichtig ist hier in erster Linie, dass der Erhaltungsbedarf des Pferdes – also der Grundbedarf an Energie, Protein, Vitaminen, Mengen- und Spurenelementen, der für die Aufrechterhaltung aller lebensnotwendigen Organfunktionen und Stoffwechselvorgänge benötigt wird – durch die Ration gedeckt ist. Da Pferde mit Boxenruhe rasseabhängig unterschiedlich damit umgehen, ist hier eine Pauschalempfehlung schwierig. Neben Alter, Rasse, Geschlecht sowie dem Temperament, Leistungs- und Gesundheitszustand des Pferdes sollten für die Gestaltung der Ration zusätzlich das aktuell verordnete Trainingsprogramm (Schritt führen/Spazieren gehen erlaubt?) sowie etwaige bestehende chronische (Vor-)Erkrankungen in Betracht gezogen werden. Auf keinen Fall sollten Dauermedikationen und damit in Verbindung verordnete Ergänzungsfuttermittel durch den Tierarzt eigenständig abgesetzt werden.

Sinnvolle Ergänzungen können hier Produkte sein, die auf den Muskelaufbau sowie den Schutz der Muskulatur vor oxidativem Stress abzielen. Zudem kann man im Einzelfall natürlich auch in Erwägung ziehen, das Stresslevel für das Pferd mithilfe von speziellen Ergänzungsfuttermitteln zu reduzieren, um dem Pferd zu etwas mehr Gelassenheit und Ausgeglichenheit zu verhelfen. Hier eignen sich verschiedene Substanzen wie beispielsweise Magnesium, B-Vitamine, Tryptophan oder auch AlphaCasozepin mit unterschiedlichen Wirkmechanismen.

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